Kabarett in Gudensberg: Bio auf der Bühne

Auch vor Hühnern macht er in seinem Programm nicht halt: Kabarettist Philipp Weber. Foto: Meyer/nh

Gudensberg. Philipp Weber ist studierter Chemiker - und Kabarettist. In seinem Programm hat sich der 41-Jährige dem Verbraucherschutz verschrieben. Warum, erklärt er im HNA-Interview.

Philipp Weber steht im Stau, als er den Anruf entgegennimmt. Warten auf den Autobahnen ist der Kabarettist gewöhnt: Auf seiner Tour fährt der gebürtige Amorbacher durchs ganze Land, am Samstag, 6. Februar, tritt er in Gudensberg auf. Im Gespräch mit der HNA erzählt er, was die Zuschauer erwartet - und warum Deutschland alles andere als „bio“ ist.

Herr Weber, Sie haben Chemie und Biologie studiert, sind aber nun hauptberuflicher Kabarettist. Wie kamen Sie dazu?

Philipp Weber: Angefangen hat alles noch in Studentenzeiten in Karlsruhe, wo ich bei einem Poetry Slam aufgetreten bin. Das ist ein Dichterwettstreit, wo man selbstgeschriebene Texte präsentiert. Von da ging es Schlag auf Schlag: Ich war beim Studentenkabarett dabei, habe eigene Stücke geschrieben und damals schon gemerkt, dass man damit auch Geld verdienen kann. Nach meinem Abschluss habe ich versucht, vom Kabarett zu leben: Denn wenn man die Wahl hat, Lehrer oder Komiker zu werden, dann wird man Komiker. Da ist das Publikum dankbarer.

Was kann das Publikum in Gudensberg von Ihnen erwarten?

Weber: Wir machen uns auf eine irrwitzige Reise durch die Essgewohnheiten der Deutschen und ich zeige Mythen und Irrtümer in der Lebensmittelindustrie auf. Da komme ich von konkreten Alltagsbeobachtungen aufs große Ganze, bis hin zur Frage warum wir eigentlich das essen, was wir essen.

Ernährung und Verbraucherschutz sind eher untypische Themen im Kabarett. Warum dreht sich Ihr Programm gerade darum?

Weber: Ich rede gerne über Themen, die jeden betreffen, und durch mein Studium kenne ich mich gut aus im Lebensmittelbereich. Ernährung und Verbraucherschutz sind allerdings politischer, als man denkt: Da geht es viel um Gentechnik, Verbrauchertäuschung, Verschwendung und Landwirtschaft. Ich zeige aber nicht mit dem Finger auf jemanden oder wasche den Leuten den Kopf. Ich will rüberbringen, dass es Spaß macht, sich gesund zu ernähren und gleichzeitig klarmachen, wer eigentlich von unseren Essgewohnheiten profitiert.

Woher kommt Ihre Inspiration?

Weber: Die Ideen kommen durch die Auseinandersetzung mit dem Thema. Wenn ich ein neues Programm schreibe, geht die meiste Zeit für die Recherche drauf, bei „Futter“ waren das fast sechs Monate.

Was kommt beim Publikum besonders gut an?

Weber: Ich schäkere immer viel mit den Besuchern, viele mögen den direkten Austausch. Die Leute interessieren sich sehr für das Thema Fleisch und den Umgang damit. Wenn ich darüber spreche, ist es meist sehr still im Publikum und die Leute hören aufmerksam zu. Bei dem Thema ist man auch nicht hilflos. Über den Kapitalismus kann man viel schimpfen, ohne dass sich was verändert, aber seine Ernährung kann jeder jeden Tag selbst gestalten.

Welches Thema liegt Ihnen besonders am Herzen?

Weber: Ich rede besonders gerne über Bio. Wir leben in einem gefühlten Bioland und denken, dass Deutschland auf einem guten Weg ist, aber das ist nicht richtig. In unserer Landwirtschaft werden nur sieben Prozent aller Erzeugnisse ökologisch angebaut und damit wir den Bedarf decken können, importieren wir Bioprodukte ohne Ende aus China.

Dabei ist jeder fünfte Bauernhof bei uns von der Insolvenz bedroht! Da wäre es doch viel besser, die eigene Landwirtschaft auf gute Füße zu stellen und die Bioprodukte hier zu erzeugen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.