Viele Buchhandlungen verkaufen die neue „Mein Kampf“-Ausgabe nur auf Bestellung

Kein Kampf in den Regalen

In den meisten Buchhandlungen im Schwalm-Eder-Kreis ist sie nur auf Bestellung zu haben: Die wissenschaftlich kommentierte Fassung von Hitlers „Mein Kampf“. Foto: dpa

Fritzlar-Homberg. Es ist fast 2000 Seiten dick und kostet 59 Euro: Historiker haben im Auftrag des Münchener Instituts für Zeitgeschichte Adolf Hitlers „Mein Kampf“ neu herausgegeben. Unter dem Titel „Hitler, Mein Kampf - Eine kritische Edition“ stellen sie dem Originaltext 3700 Fußnoten zur Seite.

Damit informieren sie über historische Hintergründe, offenbaren Hitlers Quellen und widerlegen einseitige Darstellungen.

Die Buchhändler im Schwalm-Eder-Kreis gehen unterschiedlich mit der kritischen Neuauflage von „Mein Kampf“ um. Wir haben einige von ihnen gefragt: Ute Tittmann, Inhaberin der Buchhandlung Tittmann in Homberg:

„Für Stammkunden, die bereits nachgefragt haben, besorgen wir das Buch. Mit den vielen wissenschaftlichen Anmerkungen ist es wohl eher eine objektive Ausgabe, aber ich finde es nicht gut, dass „Mein Kampf“ noch einmal so eine Plattform bekommt. Deswegen nehmen wir es auch nicht in unser Sortiment auf.“

Ingrid Schwiers, Geschäftsführerin der Buchhandlung Roland in Fritzlar:

„Es gibt einige wenige Leute, die „Mein Kampf“ bei mir vorbestellt haben. Ich habe es nicht regulär im Sortiment, bestelle es aber auf Wunsch. Wenn es wieder verfügbar ist und viele Kunden es nachfragen, werde ich aber ein bis zwei Exemplare auf Vorrat haben.“

Sonja Lehmann, Inhaberin des Bücherwurms in Borken: „Für mich gehört die Neuveröffentlichung zur Meinungsfreiheit und ich finde es gut, dass die kritische Edition „Mein Kampf“ mit der gegebenen Distanz betrachtet. Wir haben es im Sortiment, aber heben es nicht speziell hervor. Trotzdem haben 15 Leute es vorbestellt, das ist viel für unsre Verhältnisse. In unserem Internetshop ist das Buch sogar derzeit der Bestseller.“

Manuela Hoppe, Mitarbeiterin der Buchhandlung Akzente in Bad Zwesten:

„Wir stellen „Mein Kampf“ nicht in den Laden, aber bestellen es gerne für den Kunden. Ich finde gut, dass mit der kritischen Fassung das Buch entmystifiziert wird. Ich selbst würde es aber nicht lesen.“

Roswitha Holetz, Inhaberin der Buchhandlung Schwarz auf Weiß in Gudensberg:

„Bei uns wollten drei Leute die Erstausgabe haben, die ist allerdings schon vor der Veröffentlichung komplett vergriffen gewesen. Ich bestelle es für die Kunden auf Wunsch, halte aber privat nichts von dem Buch.“ (vre)

Kommentare

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