Chaos bei der Umstellung – Finanzamt nicht mehr zuständig

Kfz-Steuer: Zoll steckt in einem Teufelskreis

Schwalm-Eder. Eine Neuerung bei der Kraftfahrzeugsteuer verunsichert derzeit Hessens Autofahrer: Die Steuer wird nicht mehr beim Finanzamt bezahlt, sondern vom Zoll eingezogen. Die Bundesbehörde ist damit jedoch überfordert, deutschlandweit müssen die Daten von 58 Millionen Fahrzeugen überspielt werden.

Für Autofahrer, die dem Finanzamt eine Einzugsermächtigung erteilt haben, bleibt alles beim Alten. Wer die Kfz-Steuer bisher per Überweisung zahlte, muss sich aber umstellen. Bisher hatte das Finanzamt jedes Jahr zur Zahlung aufgefordert. Der Zoll tut dies aus Kostengründen nun nicht mehr. Wird die Frist verpasst, komm eine Mahnung mit einem Säumniszuschlag. „Wer seine Steuer per Überweisung zahlen will, muss das auch pünktlich tun“, sagt Michael Bender, Sprecher des Hauptzollamts in Gießen.

Seit dem 1. Juli dieses Jahres ist der Zoll für Festsetzung und Einzug der Kfz-Steuer verantwortlich, schrittweise erfolgte in den Bundesländern zuvor die Umstellung. Seitdem gehen beim Hauptzollamt Gießen viele Anfragen ein. „Wir hatten in den ersten Wochen 300 000 Anrufe“, sagt Torsten Pfeifer, Sachgebietsleiter in Gießen. Das Hauptzollamt hat zwar 88 zusätzliche Beamte hinzugezogen, trotzdem sei die Situation chaotisch.

„Das ist eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre“, erklärt Bender. Bei der Übertragung der riesigen Datenmenge habe es Probleme mit der Software gegeben, manche Autofahrer müssten nun beispielsweise auf Steuerrückerstattungen warten. „Ich kann den Ärger verstehen. Aber wir legen ganz gewiss nicht den Hörer daneben.“ Dreimal so viele Briefe kommen derzeit täglich in Gießen an. Viele Daten müssen per Hand in das neue System eingepflegt werden. „Und noch immer rufen viele Leute an. Es ist ein Teufelskreis“, so Bender.

Von Sven Kühling und Anton Kostudis

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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