Dem Können auf der Spur - Angebot für Flüchtlinge aus dem Landkreis

Leistung im Test: Die Teilnehmer eines Kurses mit ihren Arbeiten (rechts), und Svenja Schmidt von der Berufshilfe, stoppte die Zeit, die für die Aufgabe benötigt wurde. Mit auf dem Bild von links Dr. Simone de Santiago Ramos, Lothar Eberhardt (Hephata), Übersetzer Rami Gazi und Martin Jäckel (Jobcenter). Das Angebot für die Flüchtlinge wird neben dem Jobcenter und Hephata auch vom Schwalm-Eder-Kreis sowie der Agentur für Arbeit getragen. Foto: Yüce

Fritzlar. Viele Flüchtlinge bringen aus ihrer Heimat wertvolle Fähigkeiten und Kenntnisse mit - aus Berufs- und Lebenserfahrung. Doch was genau können sie und was nicht? Um das festzustellen gibt es in Fritzlar nun für Geflüchtete die Möglichkeit, unabhängig von ihren Sprachkenntnissen, ihr Können analysieren zu lassen.

Es sei ein Baustein, um sich ein Bild davon zu machen, was die Menschen können, sagt Martin Jäckel vom Jobcenter. Denn nur ein Drittel der Flüchtlinge habe Zeugnisse dabei. Es gehe darum, Kompetenzen zu analysieren, vorhandene Qualifikationen zu erfassen und einen Abgleich mit den deutschen Berufsstandards zu schaffen. Das sei wichtig, um sie dann, wenn klar ist, dass sie bleiben dürfen, so schnell wie mögliche in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Das Angebot richtet sich an Flüchtlinge mit höchster Anerkennungswahrscheinlichkeit“, erklärt er. Je früher man die Daten habe, desto besser lassen sich weitere Schritte planen, so Jäckel weiter. Denn oft seien die langen Wartezeiten für die Flüchtlinge quälend.

Drei Wochen dauert der Kurs, bei dem es auch um handwerkliches Geschick und Auffassungsgabe geht. So gibt es Übungen am Computer und es wird auch ganz praktisch mit Holz gearbeitet. „Wir geben Anleitungen, die man auch ohne Sprache versteht, dann schauen wir, wie diese umgesetzt werden“, sagt Svenja Schmidt, eine der Betreuerinnen der Berufshilfe.

Bislang haben 121 Flüchtlinge aus dem Schwalm-Eder-Kreis an der Schulung teilgenommen, weitere 53 haben sich dazu angemeldet. Allesamt kommen aus verschiedenen Städten im Landkreis und organisieren Fahrt und Teilnahme an dem Programm auf eigene Faust. „Es gibt eine große Disziplin“, sagt Jäckel und freut sich darüber. Das Niveau der Teilnehmer sei aber sehr schwankend und ein Spiegelbild der Flüchtlingssituation.

Für viele der Teilnehmer gehe es danach meist erstmal mit einem Sprachkurs weiter. Denn in den meisten Fällen sei die Sprache die größte Hürde. Direkt in den Arbeitsmarkt vermittelt wurde noch niemand, doch sprang bereits ein Praktikumsplatz dabei heraus. Und eben die Chance darauf, nach der Anerkennung auch einen Job zu finden.

Von Maja Yüce

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