Kreistag schloss sich Resolution von SPD und FWG zur Schulpolitik an

Kreistag zu G8 und G9: Schüler sollen selbst wählen

Schwalm-Eder. In Sachen Schulpolitik lassen Kreistagspolitiker immer wieder gerne die Muskeln spielen, auch wenn der Einfluss des Landkreises begrenzt ist. Alle Schüler der 5. und 6. Gymnasialklassen sollten die Möglichkeit erhalten, sich für die längere Gymnasialzeit (G9) zu entscheiden.

So heißt es beispielsweise in einer Resolution von SPD und FWG an die Landesregierung.

Bisher ist das nicht möglich. Auch an Schulen, an denen es inzwischen ein Parallelangebot von G8 und G 9 gibt, müssten die Schüler ihre Gymnasialzeit in nur acht Jahren absolvieren. Das entspreche nicht dem Elternwillen, kritisieren SPD und FWG. Der Resolution schlossen sich auch die Grünen und die Linke an, CDU und FDP stimmten dagegen.

„Die Landesregierung hat sich an einer Schülergeneration versündigt, mit einer unerträglichen Leistungsverdichtung“, sagte Günter Rudolph (SPD). G 8 müsse abgeschafft werden.

Eine wirkliche Wahlfreiheit gebe es aber nicht, weil die G 8-Klassen einen Bestandsschutz hätten – das sei jedenfalls die Rechtsauffassung der Landesregierung.

Rüdiger Staffel (FWG), der Gymnasiallehrer an einer Schule in Bad Wildungen ist, berichtete über seine Erfahrungen mit der verkürzten Abiturzeit. „G 8 war blanker Aktionismus“ sagte er. Das Bad Wildunger Gymnasium sei zu G 9 zurückgekehrt. Wegen des Bestandsschutzes müsse aber an G 8 zunächst festgehalten werden.

Juristische Gründe

Juristisch sei klar, dass es einen Vertrauensschutz für Eltern geben müsse, die sich bewusst für den Unterricht nach der verkürzten Abiturzeit entscheiden hätten, sagte Mark Weinmeister (CDU). Eltern könnten ihre Kinder aber auch zu Kooperativen Gesamtschulen schicken. Dort gebe es seit 2008 wieder die Möglichkeit des G 9-Unterrichts.

„Wir wollen Wahlfreiheit für alle Schüler“, sagte Margitta Braun (Die Grünen). Wenn das der politische Wille wäre, gäbe es wohl auch eine Möglichkeit. Die Rechtsverbindlichkeit müsse gewahrt werden, sagte Wiebke Reich (FDP). Eltern und Kinder, die sich für G 8 entscheiden hätten, seien ansonsten Druck und Mobbing ausgesetzt.

Kritik an G 8 übte auch Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Die Linke). Doppeljahrgänge strömten jetzt an die Universitäten. Mit 17 Jahren seien junge Studierende noch gar nicht geschäftsfähig. (hro)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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