Neues Stück

Kulturstall Deute mit Momo: Hinein gesogen in das Spiel um die Zeit

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Spielten bravourös: Unser Foto zeigt vorne im Stuhl Gastwirt Nino (Dieter Büttner) mit Friseur Fusi (Mario Schönewald) sowie von links mit Gitarre Maurer Nicola (Andreas Olbrich), Kassiopeia (Alina Heinemann), Gastwirtin Liliana (Lara Ledderhose), Straßenkehrer Beppo (Klaus Michael), Polizist (August Karpenstein), Meister Hora (Harald Göbel) und Polizistin (Nadine Knauer).

Deute. Der Kulturstall Deute zeigte am Wochenende zweimal sein neuestes Stück, Momo nach Michael Ende. Für sein Spiel auf hohem Niveau wurde das Ensemble gefeiert

In letzter Sekunde wurden die Stuhlreihen vor der Bühne vom Kulturstall Deute aufgebaut. Die besorgten Blicke zum wahrhaft wolkendurchtosten Himmel versanken im wachsenden Andrang vor der Abendkasse.

Schnell waren alle Plätze besetzt und die Mitarbeiter der Firma „Time sec“ hatten keine Mühe, ihre Werbekarten loszuwerden. Doch diese Aktion gehörte bereits zum Stück Momo von Michael Ende, der einst schrieb: Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.

Auf der Bühne drehte sich immer schneller eine imaginäre Warteschlange. Das Publikum wurde förmlich in das Spiel hinein gesogen. Hervorragend aufeinander abgestimmt, webte das Ensemble fast zwei Stunden lang gemeinsam am Teppich der Zeit. Dabei gab es erst am vorherigen Abend die umjubelte Premiere.

Die ausdrucksstarken Einzelszenen wurden immer wieder mit Beifall belohnt. So der philosophisch angelegte Straßenkehrer Beppo (Klaus Michael) und der Maurer Nicola, der Blues life auf der Gitarre bot (Andreas Olbrich).

War man nicht erst neulich der verrückten Trendpuppe Bibi (Selina Körner) begegnet? Dramatisch starben im schwindenden Zigarettenqualm nacheinander drei der grauen Herren. Hinter der Bühne fragten sich die Schauspieler verwundert, weshalb ausgerechnet der mittlere Tote spontanen Beifall erhielt. Auch das Publikum scheint Geheimnisse zu haben.

Kämpfen um die Zeit: Unser Foto zeigt Alina Bartholmai als Momo und Harald Göbel als Meister Hora.

Mysteriös und langsam trat die Schildkröte Kassiopeia (Alina Heinemann) auf. Zwei lange, grüne Gurken verzehrt sie pro Vorstellung. Die so herrlich angelegte und dargebotene Figur hätte keine Probleme in der beliebten Gothic Szene. Meister Hora (Harald Göbel) wäre ein King auf jedem Dance Floor. Seine ausgeflippte Tanzeinlage zu „time is on my side“ von den Rolling Stones hätte ewig dauern können.

Fast permanent auf der Bühne stand Alina Bartholmai als Momo, der Hauptfigur. Die junge Frau stellte ein Kind von zwölf Jahren dar. Wie sie das - schüchtern und bestimmend, aus dem Hintergrund heraus und doch alle Fäden in der Hand haltend - tat, war reinste Theaterkunst.

Das gesamte Ensemble bot ohne Ausnahme höchstes Niveau. Thomas Hof, Regisseur und Bearbeiter des Stückes, konnte dank der künstlerischen Qualität der Mitwirkenden, seine professionellen Fähigkeiten mit Bravour umsetzen. Vieles gäbe es noch zu sagen, doch es fehlt…die Zeit.

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