Wiedereinführung wird als Rückfall in Altkreis-Denken gesehen

Landrat lehnt weiterhin die Altkennzeichen ab

Schwalm-Eder. Durch den Schwalm-Eder-Kreis werden auch künftig keine Autos mit MEG-, FZ- oder ZIG-Kennzeichen rollen. Landrat Frank-Martin Neupärtl hat sich dagegen ausgesprochen. Er ist der Ansicht, dass es die Einheit des Landkreises zu bewahren gelte. Der Landrat ist als Chef der Straßenverkehrsbehörde für die Frage einer Wiedereinführung zuständig.

Die würde eine „Zäsur“ und einen Rückschritt in überholtes „Altkreis-Denken“ bedeuten, sagte Kreissprecher Dieter Werkmeister.

In elf von 21 hessischen Landkreisen gibt es die alten Kennzeichen seit vergangenem Jahr wieder. Darunter sind fünf unserer sechs Nachbarkreise. Eine Ausnahme bildet der Vogelsbergkreis.

„Gegen die Wiedereinführung spricht die seit 40 Jahren gewachsene regionale Identität, die durch das Kennzeichen HR symbolisiert wird“, begründete Werkmeister die Ablehnung.

Die Wahlfreiheit steht für den Landkreis an zweiter Stelle, wichtiger sei das einheitliche Kennzeichen, um das Gemeinschaftsdenken zu fördern, so Andrea Süsser, Leiterin der Straßenverkehrsbehörde. Auch die Kosten für die Veränderung der Software und Organisation sprächen dagegen, ergänzte Werkmeister. „Keiner der anderen nordhessischen Landkreise gibt insgesamt vier Kennzeichen aus, wie dies im Schwalm-Eder-Kreis erforderlich wäre.“ Andrea Süsser zur Nachfrage: „Es gab Anfragen, aber nicht viele.“ Schriftlich seien zwischen acht und zehn eingegangen, mündliche habe es kaum gegeben.

Befürworter der alten Kennzeichen argumentieren, dass jeder frei wählen können sollte. Auch eine Identifikation sei darüber möglich: „Die Kennzeichen können für Menschen eine Symbolfunktion haben“, sagt Dr. Ralf Bochert, Professor für Stadtmarketing an der Hochschule Heilbronn, der zur Kennzeichen-Liberalisierung forscht. HINTERGRUND/ ZUM TAGE/LOKALES

Von Nina Nickoll