Verunsicherung bei Bankkunden

Sorgen und Unverständnis nach dem Brexit: Das sagen Firmen im Schwalm-Eder-Kreis

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Leitung tot: HNA-Praktikant Henry Valentin in der englischen Telefonzelle am Melsunger Bahnhof. Tatsächlich funktioniert die Zelle noch einwandfrei.

Schwalm-Eder. Die Entscheidung der Briten, der EU den Rücken zu kehren, löst im Landkreis Sorgen und Unverständnis aus, wie eine Umfrage unter Wirtschaftsfachleuten zeigte.

Viele Bankkunden im Landkreis seien verunsichert, sagt Marco Rauthe, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung bei der

VR-Bank Schwalm-Eder: Das sei verständlich, aber meistens unnötig. Die Banken hätten sich in den zurückliegenden Monaten auf beide Szenarien vorbereitet. Die starke Reaktion an den Märkten seien absehbar gewesen. Aber sie beruhigten sich schon wieder.

Für Anleger gelte, nicht in Panik zu verfallen. „Wir können nichts empfehlen. Wir bewegen uns im sehr spekulativen Bereich“, sagt Rauthe, Die Banken würden Investitionen breit streuen. Einzelwerte könnten in den Keller gehen, aber das werde keine gravierenden Auswirkungen auf die regionalen Banken haben.

Konvekta AG Schwalmstadt: „Ich bin erschüttert über den Ausgang“, sagte Dr. Constantin Schmitt im Gespräch mit der HNA. Der Vorstandsvorsitzende der Konvekta AG Schwalmstadt sieht das britische Volk als den größten Verlierer, für die Briten würden die Folgen verheerend sein. „Banken werden England verlassen, die Kaufkraft wird zurückgehen, die Arbeitslosigkeit steigen.“ Aber es bestehe auch die Gefahr einer Kettenreaktion in Europa, politisch wie wirtschaftlich. China werde sich nunmehr noch machtvoller in Position bringen, nur ein starker europäischer Binnenmarkt könne dagegen stehen. Schmitt: „Die europäische Wettbewerbsfähigkeit wird geschwächt.“ Das Unternehmen Konvekta sei aber nicht stark betroffen, weil es international aufgestellt ist. Insgesamt sei aber klar: „Das ist ein Rückschlag.“

Till Bischoff

Heidelmann Kühllogistik: „Die komplette Logistik-Branche ist betroffen“, sagte Till Bischoff, Prokurist des SchwalmstädterKühllogistikunternehmens Heidelmann. Bischoff sieht zwar das eigene nicht stark betroffen, insgesamt herrsche nun aber für eine „riesen Unsicherheit“ durch die Einschränkung des freien Waren- und Personenverkehrs. Schon in der Flüchtlingskrise habe sich gezeigt, wie negativ sich die Verlangsamung auf die logistische Abwicklung ausgewirkt habe. Bischoff: „Bis wir die neuen rechtlichen Gegebenheiten haben, werden außerdem mindestens ein bis zwei Jahre vergehen.“ Es sei zutreffen, dass es sich gesamtwirtschaftlich um einen schwarzen Freitag handele. Das einzig Positive ist laut Till Bischoff, dass sich die EU nunmehr ändern müsse, und zwar zum Besseren.

Horn und Bauer in Treysa: Der Brexit beschäftigt auch Reinhard Bauer, Geschäftsführer der Firma Horn und Bauer in Treysa. „Es wird auch uns treffen, wir haben eine Vertriebsgesellschaft in Brampton in England“, sagt er. Als Folienhersteller - zu einem Großteil für die Autoindustrie - liefere das Unternehmen zwei bis drei Container wöchentlich nach Großbritannien. Zumal die Industrie seit Thatcher sowieso nur noch rudimentär vorhanden sei.

Die englische Autoindustrie könne sich gar nicht isolieren: Immerhin liefere man 800 000 Autos in die EU. „Es wird nicht billiger für die Engländer. Vor allem finde ich es schade um den europäischen Gedanken.“

Logistikunternehmen Palletways: Der Brexit werde keine Auswirkungen auf Europanetz des Logistikunternehmens haben, sagte Sprecher Markus Wohler. Eventuell könnten Zollangelegenheiten für Verzögerungen sorgen: Das Transportgewerbe brauche schnell gute Lösungen“, sagt Wohler. Er zeigte sich sicher, dass der Brexit keine Auswirkungen aufs Exportgeschäft von Palletways haben werde. „Wir haben uns lange mit der Frage beschäftigt, was passiert, wenn es zum Brexit kommt - und wir werden uns jetzt auch noch sehr lange damit beschäftigen.“

Unseren Ticker zum Brexit-Ergebnis finden Sie hier.

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