Landwirt aus Bad Zwesten schaltet sich in Diskussion um hohe Subventionen ein

Ohne EU-Geld geht’s nicht

Bad Zwesten. 23,3 Millionen Euro Agrarsubventionen sind im Jahr 2014 an landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis geflossen. Mit 314 063 Euro erhielt Philipp Rudolph aus Bad Zwesten das meiste Geld, heißt es auf der Internetseite www.agrar-fischreizahlungen.de/suche (wir berichteten). Der Landwirt schaltet sich mit einer Stellungnahme in die Diskussion ein. „Hinter dem Empfänger von Zuwendungen steht ein gepachteter landwirtschaftlicher Familienbetrieb mit sechs Mitarbeitern“, schreibt Rudolph.

Der Betrieb bewirtschafte und pflege 400 Hektar Ackerland, 25 Hektar Brache und zehn Hektar extensives Grünland. Weiterhin betreue er 15,5 Kilometer Biotopverbundsystem mit Hecken und Feldholzinseln. „Wir übernehmen Gemeinschaftsaufgaben der Gemeinden und Straßenbauverwaltung, indem wir Hecken, Gräben und Raine pflegen und jedes Jahr eine vierstellige Summe in die Pflege der Feldwege investieren“, heißt es weiter.

Der Betrieb baue Weizen, Gerste, Triticale, Raps, Mais, Zuckerrüben, Grassammen und Ackerbohnen an und produziere somit in einer nachhaltigen Fruchtfolge Lebensmittel und Energie. Zudem habe sich Rudolph 2014 für den Bau eines Legehennenstalles mit Freilandhaltung nach höchstem Tierschutzstandard entschieden.

Teure Erschließung

„Da dieser Stall nicht mehr wie vor wenigen Jahren am Ortsrand gebaut werden darf, hat allein die Erschließung mit Strom, Wasser und der Ausbau des Feldweges über 220 000 Euro gekostet und damit mehr als der Zuschuss zum Stallbau“, erklärt der Landwirt. Der Stall decke etwa den durchschnittlichen Eierbedarf der Einwohner von Borken, Neuental, Jesberg und Bad Zwesten.

„Die Zuwendungen der EU helfen dem Betrieb, unter Weltmarktbedingungen konkurrenzfähig zu bleiben.“

Philipp Rudolph

Der Legehennenstall könne nur mit Hilfe der Investitionsförderungen wirtschaftlich betrieben werden. „Die Zuwendungen der EU helfen dem Betrieb, unter Weltmarktbedingungen konkurrenzfähig zu bleiben, und trotz erhöhter Kosten preisgünstige Lebensmittel zu erzeugen“, heißt es in der Stellungnahme.

Die in Deutschland gezahlte Agrarförderung betrage pro Kopf und Tag 17,3 Cent. Dies solle den Bürgern die sichere Bereitstellung der Nahrungsmittel, die Pflege der Landschaft und der Tierschutz wert sein – zumal in Deutschland nur noch zehn Prozent aller Konsumausgaben auf Nahrungsmittel entfielen. Vor 60 Jahren waren es 40 Prozent.

Die Zuwendungen seien zu versteuerndes Einkommen. „Der Staat holt sich, sobald Gewinne im Betrieb erwirtschaftet werden, einen Teil der an die EU gezahlten Gelder über den Umweg zurück“, sagt der Bad Zwestener. Den landwirtschaftlichen Unternehmern gefalle dieses System nicht. „Da aber die meisten Länder auf ähnliche Weise preisgünstige Lebensmittel subventionieren, ist eine Umstellung auf ein besseres System nicht einfach.“ (akl)

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