Pfarrerin Svenja Neumann: Bibel braucht Erklärung

Expertin: Pfarrerin Svenja Neumann im Sitz der Bibelgesellschaft für Kurhessen-Waldeck in Homberg. Foto: Thiery

Homberg. Früher predigte sie in der Marienkirche, heute will sie Menschen die Bibel nahebringen. Pfarrerin Svenja Neumann erzählt im HNA-Interview, wie die Lektüre hilfreich sein kann.

Svenja Neumann ist die neue Beauftragte für bibelgesellschaftliche Arbeit in der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck.Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Homberg. Wir fragten sie nach ihrer Arbeit.

Seit wann gibt es die Bibelgesellschaft und erfüllt sie noch heute ihren Zweck?

Svenja Neumann: Die kurhessische Bibelgesellschaft wurde vor fast 200 Jahren gegründet, 2018 feiern wir das Jubiläum. Ziel war es damals wie heute, die Menschen anzuregen, die Bibel zu lesen. Früher war es das vorrangige Ziel, die Bibel günstig für jedermann zur Verfügung zu stellen. Das ist heute anders. Die Methoden der Auseinandersetzung verändern sich und stehen im Vordergrund, sowie die Arbeit in den Bibelkreisen.

Was macht man denn eigentlich in Bibelkreisen?

Neumann: Ehrenamtliche oder Pfarrer laden dazu ein, sich intensiv mit der Bibel zu beschäftigen. Man trifft sich regelmäßig, liest Texte und spricht darüber. Es gibt unterstützende Lesemethoden, die es didaktisch leichter machen, die oft schwierigen Texte zu verstehen. Das hilft auch bei Hauskreisen, wo meist kein Pfarrer dabei ist.

Das komplizierte Werk verstehen lernen, das braucht demnach der Zeit angepasste Methoden?

Neumann: Vieles lässt sich nur in einem Kontext verstehen, also etwa im historischen Zusammenhang. Ohne Hintergrundinformationen kann man den Aussagen oft nicht auf den Grund kommen. Wir liefern Lesehilfen dazu und bieten auch Seminare an. So etwas organisiere ich zurzeit.

Welchen hauptsächlichen Sinn sehen Sie in den Bibelkreisen?

Neumann: Man bekommt in der Auseinandersetzung konkrete Lebenshilfe. Es hilft beim Umgang mit Themen wie Tod oder Krankheit. Tatsächlich kann man seine Sichtweise überprüfen und in der Diskussion in der Gruppe auch Unterstützung und Trost bekommen. Inhaltlich geht es in den Bibelkreisen sehr in die Tiefe. Sie können wichtige Impulse geben. Man kann eine persönliche Lebens- oder Gotteserfahrung dort spüren und sich weiter bilden.

Viele Menschen suchen Antworten in Selbsterfahrungsgruppen oder Coachings. Sie sagen, die Bibel ist im Grunde das Werk der Lebenshilfe geblieben?

Neumann: In der Bibel befinden sich Geschichten zu allen Lebensthemen. Ich möchte, dass Menschen Lust haben, sie mit Spannung und Freude zu erkunden. Dabei darf man auch kreativ sein. Ich lade etwa mit einer Kollegin dazu ein, eine Art Pilgerpfad anhand von biblischen Texten mit zu gehen. An bestimmten Stellen halten wir an und reflektieren. Denken Sie nur an den Psalm 23. Der Herr ist mein Hirte…… er weidet mich auf einer grünen Aue.... Dann schauen wir uns die Natur an und forschen nach Auen in uns, was uns hilft und nährt. Dabei kann man viel über sich und das Leben lernen. Wir haben eigentlich alles in der Bibel.

Großes Thema ist die Neuauflage der Lutherbibel in diesem Jahr, was erwarten Sie?

Neumann: Wir sind alle gespannt. Die letzte Revision stammt aus 1984. Das ist über 30 Jahre her. 50 Theologen haben fünf Jahre daran gearbeitet. Es gibt neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, die eingearbeitet wurden. Die Luther-Bibel ist der empfohlene Text für die evangelischen Kirchen. Zur Buchmesse im Herbst wird sie erscheinen und sicher auch in den örtlichen Bibelkreisen für Gesprächsstoff sorgen.

Von Christine Thiery

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