Thomas Gille folgt auf Karl-Otto Winter als Vorstandschef der Kreissparkasse

Stehen für Kontinuität bei der Kreissparkasse: Karl-Otto Winter (hinten links) scheidet zum Jahresende als Vorstandsvorsitzender aus. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Thomas Gille (hinten rechts). Unser Foto zeigt sie mit Landrat Winfried Becker sowie den Mitarbeiterinnen Martina Gießler (links) und Daniela Riemann. Foto: Rohde

Schwalm-Eder. Eine solche Laufbahn dürfte einzigartig sein in der Banken-Landschaft: Seit fast 48 Jahren ist Karl-Otto Winter für die Kreissparkasse Schwalm-Eder tätig.

Als Lehrling hatte er 1968 in der Geschäftsstelle der Bank am Fritzlarer Marktplatz begonnen. Es folgte eine steile Karriere bis zum Vorstandsvorsitzenden. Vier Jahre war er Chef der Bank; zum Jahresende scheidet Winter mit 65 aus dem Unternehmen aus.

Nachfolger wird Thomas Gille (51). Auf ihn hatten sich Kreisausschuss und Verwaltungsrat jeweils einstimmig verständigt. Der Melsunger hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen wie Karl-Otto Winter. Auch er gehört der Kreissparkasse bereits seit 31 Jahren an.

Dies sei eine sehr gute Entwicklung, die für Kontinuität stehe, meinte Landrat Winfried Becker. „Thomas Gille kennt das Haus, die Kunden und die Region“, sagte er. Es gehe bei der Kreissparkasse nicht darum, Milliarden zu scheffeln, sondern Dienstleister für die Region zu sein.

„Es gibt keine langweiligen Zeiten mehr“, fasste Thomas Gille die derzeitige Situation und die Herausforderungen der kommenden Jahre zusammen. Drei Punkte nannte er in diesem Zusammenhang:

Die anhaltende Niedrigzinspolitik, die Regulierungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Digitalisierung.

Die niedrigen Zinsen machten allen Instituten zu schaffen. So genante Negativ-Zinsen sollen vorerst aber nicht an die Kunden weitergegeben werden. Der Spareckzins der Bank beträgt nach Angaben von Thomas Gille 0,05 Prozent.

Angesichts geringer Zinserträge müsse man die Kosten im Blick behalten, erklärte Karl-Otto Winter. Das habe sich auch bei der Personaldecke der Bank niedergeschlagen. Die Zahl der Mitarbeiter wurde von 486 im Jahr 2011 auf derzeit 465 zurückgefahren. Das habe man aber nicht durch Kündigungen, sondern durch natürliche Fluktuation sowie durch Einsparungen erreicht. Die Kreissparkasse bilde 31 junge Leute aus und stelle pro Jahr etwa zehn Lehrlinge ein.

Durch die Vorgaben der EZB habe sich der Aufwand immens erhöht, berichtete Gille. Für viele Bereiche benötige man inzwischen ein Controlling. Das sei vor allem für kleine Banken eine erhebliche Herausforderung.

Um für kommende Herausforderungen gerüstet zu sein, habe die Kreissparkasse ihre Eigenkapital-Ausstattung um 30 Prozent angehoben.

Das Kundenverhalten ändert sich zunehmend. Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeiten, ihre Bankgeschäfte digital abzuwickeln. Gille: „Die Kunden bestimmen den Weg, auf dem sie uns erreichen möchten.“ Etwa 30 Prozent hätten einen Online-Zugang. Die Zahl gehe sukzessive nach oben.

Sollte es zum Bau eines Einkaufszentrums an der Homberger Drehscheibe kommen, werde die Kreissparkasse dort die Büroflächen durch einen kleineren Erweiterungsbau vergrößern. Winter: „Wir begleiten das positiv.“ Ähnliches gelte für Melsungen, wenn es dort konkretere Pläne für ein Sand-Center gebe.

Bilanzsumme:  2,05 Milliarden in 2015. Zum Vergleich: In 2011 waren es 1,9 Milliarden.

Eigenkapital: 194 Millionen (149 Millionen)

Kundeneinlagen: 1,63 Milliarden (1,47 Milliarden)

Kundenkreditvolumen: 1,37 Milliarden (1,22 Milliarden)

Geschäftsstellen: 37.

Keine Initiative für Fusion

Von der Kreissparkasse ausgehend gebe es keine Initiativen, mit der Stadtsparkasse Felsberg oder einem anderen selbstständigen Sparkassen-Institut im Landkreis zu fusionieren.

Das betonten die Vorstandsvorsitzenden Karl-Otto Winter und Thomas Gille sowie Landrat Winfried Becker am Mittwoch in einem Gespräch mit der HNA.

In Felsberg hatte es zuletzt Gerüchte gegeben, ein solcher Schritt könnte bevorstehen. Bürgermeister Volker Steinmetz hatte auf Anfrage der HNA darauf hingewiesen, dass die Niedrigzinspolitik eine große Belastung für das Institut darstelle.

Die Bewertung der Situation sei alleine Sache der Stadtsparkasse Felsberg und der städtischen Gremien, meinte Landrat Winfried Becker. Die öffentliche Diskussion darüber halte er allerdings für wenig zielführend.

Sollte die Stadtsparkasse Felsberg aber eine Fusion wünschen, könne sich die Kreissparkasse dem nicht entziehen. „Wir wären in der Sparkassen-Familie in der Verpflichtung, die Kollegen aufzunehmen“, erklärte Winter auf Nachfrage.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.