Breitbandversorgung

Fragen und Antworten zum schnelleren Internet für den Schwalm-Eder-Kreis

Startschuss für Breitbandausbau: In Knüllwald begannen die Arbeiten am Montag. Dort ließen sich die Gäste des Spatenstichs demonstrieren, wie sich ein so genannter Spülkopfbohrer in den Boden frisst, ohne dass das Gelände aufgebaggert werden muss. Foto: Rohde

Knüllwald. „Ich freue mich, dass endlich Schluss ist mit den Fragen, mit den Fragen nach schnellem Internet.“ So wie Knüllwalds Bürgermeister Jörg Müller können die meisten Rathauschefs im Schwalm-Eder-Kreis den Start des Breitband-Ausbaus nicht erwarten.

In Knüllwald wurde am Montag damit begonnen, dafür die Glasfaserleitungen zu verlegen.

So schnell wie möglich sollen weitere Kommunen folgen, drei bis vier Jahre werden aber noch vergehen, bis im Landkreis flächendeckend schnelles Internet zur Verfügung steht. Landrat Winfried Becker bat um Verständnis dafür, dass nicht jeder der erste sein könne. Hier einige Fakten zum Breitband-Ausbau:

Wie schnell gehen die Arbeiten voran?

In fünf Landkreisen wurde annähernd zeitgleich mit den Arbeiten begonnen. 2000 Kilometer Leitungen müssen verlegt werden.

Bis zu 15 Kilometer Trasse sollen pro Woche gebaut werden. Einzelne Orts- beziehungsweise Stadtteile sollen nach Angaben der Breitband Nordhessen GmbH in einer Bauzeit von nur wenigen Wochen ausgebaut sein.

Welche Datenraten können nach dem Ausbau erreicht werden?

Bandbreiten mit bis zu 50 Mbit/s sollen möglich sein. Perspektivisch seien beim Einsatz des so genannten Vectoring-Verfahrens dann bald sogar Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s möglich sein, berichtete Kathrin Laurier, Geschäftsführerin der Breitband Nordhessen GmbH.

Wie ist die Versorgung derzeit?

Schlecht. Der Schwalm-Eder-Kreis sei derzeit nur etwa zu 30 Prozent mit schnellem Internet versorgt, sagte Georg Matzner, Referatsleiter für Technologiepolitik im Hessischen Wirtschaftsministerium.

Werden alle Orte und Ortsteile von der Breitband Nordhessen erschlossen?

Die Breitband Nordhessen werde alle Kabelverzweiger eines Ortes anschließen, sofern dort nicht private Unternehmen, wie etwa die Telkom oder Unitymedia aktiv sind. Die Privaten haben Vorrang.

Welche Technik kommt beim Ausbau des Netzes zum Einsatz?

Beim Bau des neuen Breitbandnetzes werden Leerrohre verlegt, in die später Glasfaserkabel eingeblasen werden. Sogenannte Multifunktionsgehäuse in den einzelnen Orts- und Stadtteilen dienen als Koppelstationen. Von dort aus werden die Datensignale des neuen Glasfasernetzes mit hoher Bandbreite über bereits vorhandene Kupferkabel zu den Haushalten transportiert.

Müssen für den Ausbau an vielen Stellen Straßen und Wege aufgebrochen werden?

Der Generalunternehmer, die Firma Weigand Bau aus Bad Königshofen, setzt nach eigenen Angaben überwiegend Horizontal-Bohrverfahren sowie Kabelpflug- und Grabenfrästechnik ein. Bei dem Bohrverfahren können beispielsweise Straßen und Biotope unterquert werden, ohne dass Schäden entstehen.

Wer vermarktet das künftige Glasfasernetz?

Vertragspartner für den Abschluss von Endkundenverträgen ist die Netcom Kassel, Gesellschaft für Telekommunikation mbH. Informationen über die Tarifoptionen unter www.netcom-kassel.de.

Warum bauen fünf Landkreise als kommunale Träger das Breitbandnetz in Nordhessen aus?

Die Breitband Nordhessen GmbH wurde 2014 von fünf Landkreisen gegründet, um einen flächendeckenden Ausbau eines Glasfasernetzes zu gewährleisten. Da setzt auch die Kritik von Landrat Winfried Becker an. Dies sei eigentlich Aufgabe von Telekommunikationsunternehmen. Die pickten sich aber die Rosinen heraus und hätten kein Interesse daran, ländliche Gebiete mit schnellem Internet zu versorgen.

Was wird der Ausbau des Breitbandnetzes kosten und wer finanziert die Ausgaben?

Der Ausbau des Netzes in Nordhessen kostet laut Landrat Becker 125 Millionen Euro. Das Land Hessen hat über diesen Betrag eine Bürgschaft übernommen. 8,7 Millionen Euro bringe der Schwalm-Eder-Kreis als Einlage ein. Aus den Mieteinnahmen, die die Netcom als Betreiber zu zahlen hat, sollen die Ausgaben refinanziert werden. Es handele sich somit nicht um eine verlorene Investition, sondern die Landkreise würden sich Werte schaffen, sagte Becker.

Weitere Informationen: www.breitband-nordhessen.de

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