Interview mit Jessica Jaksa

19-Jährige hat Nebenrolle im Tatort:„Gehörlose können alles“

Spielt im nächsten Saarbrücker Tatort mit: Jessica Jaksa. Foto: Esser/nh

Schwalm-Eder. Sie ist am 24. Januar im Saarbrücker Tatort zu sehen: Jessica Jaksa ist 19 Jahre alt, gehörlos und liebt es, zu schauspielern.

Ein Gespräch über den Dreh und warum Gehörlose nicht „Ich bin so weit“ sagen.

Frau Jaksa, im Saarbrücker Tatort spielen Sie eine Nebenrolle. Ist die Sendung für Sie auch ein Sonntagsritual?

Jessica Jaksa: Nein, das ist sie nicht. Den ein oder anderen Tatort habe ich zwar schon gesehen, aber das ist alles andere als regelmäßig.

Wie kamen Sie dann dazu, mitzuspielen?

Jaksa: Das war das erste Mal, dass ich bei einem Filmdreh dabei war. Meine beste Freundin hat den Aufruf im Internet gefunden und mich gefragt, ob ich nicht mitmachen will, weil ich immer gerne Theater gespielt habe. Ich habe mich einfach beworben, durfte ein Video einschicken, wo ich eine Szene spiele und wurde dann zum Casting nach Berlin eingeladen. Danach hatte ich schnell die Zusage und war für fünf Drehtage im Saarland.

Was können Sie uns über Ihre Rolle erzählen?

Jaksa: In dem Film geht es darum, dass der Leiter einer Gehörlosenschule stirbt. Ich spiele seine gehörlose Tochter und bin auch in den Fall verwickelt.

Sie selbst sind von Geburt an gehörlos und verständigen sich sowohl mit Gebärden- als auch mit gesprochener Sprache. Wie hat die Kommunikation beim Dreh mit den hörenden Kollegen funktioniert?

Jaksa: Die Kollegen waren alle sehr nett. Ich habe von ihren Lippen abgelesen und dann in gesprochener Sprache geantwortet. Bei Missverständnissen haben sie das Gesagte einfach wiederholt. Wenn gefilmt wurde, stand der Regieassistent vor mir und hat mir ein Zeichen gegeben, damit ich wusste, wann die Kamera läuft. Wir hatten auf dem Set auch eine Gebärdensprachdolmetscherin dabei, die selbst im Film mitspielt.

Das war sicherlich auch eine neue Erfahrung für das Tatort-Team. Inwiefern hat es den Dreh verändert, dass Gehörlose in dem Film tragende Rollen spielen?

Jaksa: Manche Texte mussten geändert werden, weil man die Wörter aus der gesprochenen Sprache nicht komplett in die Gebärdensprache übernehmen kann. Wir Gehörlose sagen zum Beispiel nicht „Ich bin so weit!“, diesen Ausdruck gibt es nicht in der Gebärdensprache. Stattdessen sagen wir „Ich bin fertig“. Auch ein paar Szenen mussten umgeschrieben werden. Es geht ja nicht, dass ein Hörender einem Gehörlosen zuruft, dass er sich umdrehen soll. Dafür muss er zu ihm hingehen und ihn antippen.

Hätten Hörende die Rollen der Gehörlosen nicht genauso gut spielen können?

Jaksa: Ich glaube nicht, dass sie sich so gut in die Rolle hineinversetzen können. Es gibt einige Filme, wo Hörende Gehörlose spielen, aber wenn sie gebärden, sind sie immer viel steifer als Menschen, die tatsächlich nichts hören können. Entgegen vieler Vorurteile können Gehörlose tatsächlich schauspielern. Wir können alles - außer eben hören.

Wie geht es nach dem Tatort für Sie weiter?

Jaksa: Zur Zeit besuche ich in Essen das Rheinisch-Westfälische Berufskolleg. Das ist die einzige Schule in Deutschland, wo in Gebärdensprache auf das Abitur vorbereitet wird. Danach - vielleicht studieren oder ins Ausland. Da bin ich mir noch nicht sicher.

Könnten Sie sich vorstellen, die Schauspielerei zum Beruf zu machen?

Jaksa: Auf jeden Fall! Es ist zwar anstrengend, aber es macht mir sehr viel Spaß. Man braucht viel Konzentration, man muss sich gut überlegen, wie man eine Rolle darstellt und man muss spontan sein. Beim Tatort wurde an einem Tag eine Szene vorgezogen, weil es geregnet hat. Da habe ich mir in der Mittagspause schnell den neuen Text eingeprägt.

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