Schwertransporte: Polizei begleitet nachts bis zu zehn Lkw-Giganten

Brauchen viel Platz: Schwertransporte quälen sich nachts über die Straßen im Landkreis. Unser Archiv-Bild zeigt einen Transport bei Fritzlar, der Teil eines Windrades geladen hatte. Foto: Zerhau

Schwalm-Eder. In der Nacht rollen Schwertransporte über Autobahnen und Bundesstraßen im Schwalm-Eder-Kreis, oft begleitet von einem oder gar mehreren Streifenwagen der Polizei. Auf über 2900 Stunden summierten sich diese Einsätze im vorigen Jahr.

2014 waren es knapp 1560 Stunden gewesen.

Der Aufwand habe vor allem wegen der Windparks in der Region zugenommen, erklärt Thomas Junghans, der stellvertretende Leiter des Verkehrsdienstes bei der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Die riesigen Bauteile rollen zwar in erster Linie über die Autobahnen, können aber beispielsweise - von Norden kommend - nicht die Ausfahrt Kassel Ost der A 7 nutzen, weil sie zu eng ist. Die Brummis fahren deshalb bis Guxhagen, werden dann wieder Richtung Norden geleitet und können auf dieser Seite die A7 bei Kassel verlassen.

Ein Nadelöhr ist auch die Bergshäuser Brücke, deren Tragkraft auf 40 Tonnen begrenzt ist. Die Schwergewichte, die nachts unterwegs sind, wiegen aber oft das Vielfache.

Transporter, die über die A 44 kommen, verlassen deshalb die Autobahn bei Zierenberg und werden über die B 450, die B 253 sowie die B 323 durch Fritzlar, Wabern und Homberg zur A 7-Auffahrt geführt. Problematisch werde es, wenn diese Bundesstraßen beispielsweise wegen Bauarbeiten dicht seien, sagt Junghans. Dann müssten die Transporte - teils mit hohem Aufwand - auch über Nebenstrecken und Ortslagen umgeleitet werden.

In einigen Nächten begleitet die Polizei bis zu zehn Schwertransporte. Die Kosten für die Begleitung werde den Firmen in Rechnung gestellt. Die Polizei dokumentiert dafür unter anderem die Wegstrecke, die Zeit sowie die Zahl der eingesetzten Beamten. Neben der Begleitung der Schwertransporte sind die Beamten auch in das Genehmigungsverfahren einbezogen.

Die Begleitung von Großraum- und Schwertransporten durch die Polizei beeinträchtige nicht die Einsatzbereitschaft, betont Markus Brettschneider, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. „Der Schutz der Bürger hat oberste Priorität. Wenn Menschen die Polizei brauchen, bekommen sie Hilfe“, sagt er.

Die Schwertransporte würden begleitet, wenn die Polizei dafür Zeit habe. Im Ernstfall könnten sie auch stehen gelassen werden und müssten warten. Aktuelle Einsätze hätten Vorrang. Zu solchen Situationen komme es aber selten, erklärte Brettschneider. Schließlich könnten ja auch Streifen aus Nachbardienststellen gerufen werden.

Unbemerkt von den meisten Menschen rollen fast jede Nacht nach 22 Uhr Großraum- und Schwertransporte durch den Schwalm-Eder-Kreis. Der Aufwand für die Polizei sei hoch, sagt Markus Brettschneider, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. 494 solcher Transporte mussten im vorigen Jahr von

Streifenwagen begleitet werden, 2014 waren es 472.

FRAGEN UND ANTWORTEN

Ab wann gilt eine Lkw-Ladung als Großraum- oder Schwertransport? 

Als zulässige Maße für einen Sattelzug gelten eine Breite von 2,55 Meter, eine Länge von 16,50 Meter und eine Höhe von vier Meter, sagt Dirk Daniel, der Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes. Das maximale Gewicht beträgt 40 Tonnen. Liegen die Maße über diesen Werten, handelt es sich um einen Großraum- oder Schwertransport.

Welche Ausmaße hatte der bisher größte Schwertransport, der durch den Landkreis rollte? 

Dirk Daniel erinnert sich an einen Zug, der 300 Tonnen auf die Waage brachte und 70 Meter lang war. Er wurde von zwei Fahrzeugen gezogen beziehungsweise geschoben. Die meisten Transporte seien zwischen 80 und 150 Tonnen schwer. Die Teile sind zwischen 40 und 50 Meter lang.

Müssen die Beamten für die Schwertransporte Überstunden machen? 

Die Polizei versuche, das zu vermeiden, sagt Daniel. Üblicherweise würden die Transporte von den diensthabenden Streifen begleitet. Wenn es sehr viele Fahrten seien, könnten aber auch Überstunden anfallen.

Wie hoch ist der bürokratische Aufwand bei Schwertransporten? 

Die Polizei ist auch in das Genehmigungsverfahren eingebunden. Der Aufwand summierte sich auf 1406 Stunden im Jahr 2015. Im Jahr zuvor waren es 1666 Stunden. Für die Abrechnung gegenüber dem Unternehmen muss beispielsweise der Einsatz genau dokumentiert werden.

Warum sind so viele Schwertransporte mit Teilen von Windrädern unterwegs? 

Bei der Größe der Windkraftanlagen können bis zu 50 Transporte erforderlich sein. Im Schwalm-Eder-Kreis werden unter anderem in Gilserberg und in Ottrau Windparks ausgebaut. In Felsberg soll demnächst ein neuer Windpark erschlossen werden. Das Genehmigungsverfahren auch für die Schwertransporte läuft nach Angaben der Polizei.

Wie funktioniert die Begleitung von Schwertransport? 

Im Normalfall fährt ein Streifenwagen vorneweg, hinten befindet sich ein Fahrzeug des Unternehmens. Bei überbreiten Transporten wird der Zug mit einem weiteren Streifenwagen nach hinten abgesichert. Die Schwertransporte sind an Werktagen hauptsächlich zwischen 22 Uhr und 5 Uhr unterwegs, wenn sonst wenig los ist.

Die Transporte werden meist an den Autobahnanschlussstellen übernommen und an die jeweils zuständigen Polizeidienststellen an bestimmten Übergabestellen oder im fliegenden Wechsel übergeben.

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