Großes Interesse an jüdischem Friedhof – Allmählicher Verfall droht

Segnende Hände am Grab

Obervorschütz. Die Initiative „Stolpersteine“ hatte zum Besuch des jüdischen Friedhofs in Obervorschütz eingeladen. Immerhin 50 Gäste kamen an den Ort, wo vor einem Jahr die ersten Stolpersteine verlegt wurden.

Als eine der ersten Familien wurde die Familie Adler mit einem Stolperstein bedacht. Von dort trat der junge Jakob Adler 1939 mit Angehörigen seinen letzten Weg zum Friedhof an, berichtete Deborah Tal-Rüttger.

Der jüdische Friedhof in Obervorschütz ist einer der ältesten in Nordhessen. Dort wurden seit dem 17. Jahrhundert nicht nur die Gudensberger Juden begraben, sondern auch jüdische Mitbürger aus vielen anderen Orten in der Umgebung.

Auf dem Friedhof erläuterte Deborah Tal-Rüttger eine Reihe von Grabinschriften, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ausschließlich in hebräischer Sprache verfasst wurden.

Interessante Informationen erhielten die Teilnehmer auch zur Bedeutung von Symbolen auf den Grabsteinen: So verweisen florale Ornamente auf ein Frauengrab, ein Krug oder segnende Hände an besondere Aufgaben des Verstorbenen beim Gottesdienstritual in der Synagoge.

Besorgt zeigten sich die Teilnehmer der Veranstaltung über den allmählichen Verfall, dem der Friedhof preisgegeben ist. Umwelteinflüsse, aber auch nicht ausreichende Pflege führen dazu, dass Grabsteine zerfallen und Schriften nicht mehr lesbar sind.

Wie eines der wenigen Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in der Stadt Gudensberg für die Zukunft bewahrt werden kann, ist eine noch ungelöste Frage. (red)

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