Protest der Fritzlarer Stadtverordneten

Ehrung verweigert: Ernst wird nicht Stadtältester

Fritzlar. Karl-Heinz Ernst war entgegen seiner Ankündigung doch nicht als Zuhörer zur Stadtverordnetensitzung gekommen. Doch auch ohne ihn war der Andrang groß: 50 Zuschauer waren da, um der Debatte um Ernst und um den Marktplatz zuzuhören.

So erlebte der ehemalige SPD-Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete nicht mit, wie über seine Person verhandelt wurde. Das Ergebnis: Ernst wird mehrheitlich die Ehrung zum Stadtältesten verweigert.

Hintergrund ist die Spitzelaffäre vor zwei Jahren. Kurz vor der Kommunalwahl war ans Licht gekommen, dass Ernst seinen Nachbarn, den Kreisveterinär Hans-Gerhard Heil (CDU) beobachtet hatte, um ihm nachzuweisen, dass er während seiner Dienstzeit tatsächlich zuhause gewesen sei. Das brachte ihm den Vorwurf der Spitzelei ein, von „Blockwart-Mentalität“ war die Rede.

aktualisiert um 18 Uhr

Ein disziplinarischer Verweis gegen Heil musste zurückgezogen werden, die Anklage gegen Ernst wegen falscher Verdächtigung und übler Nachrede wurde nicht zugelassen.

Martin Hannappel (SPD) zählte in der Stadtverordnetenversammlung Ernsts Verdienste für die Stadt Fritzlar auf. Viele heutige Parlamentarier seien noch nicht auf der Welt gewesen, als Ernst sich schon für Fritzlar eingesetzt habe.

Christian Seyffarth (CDU) erklärte, wer Ernst ehren woll, trete „das Grundgesetz mit Füßen“. Der SPD-Politiker habe seinen Nachbarn über Monate hinweg denunziert: „Ein solches Verhalten gilt als unwürdig.“ Paul-Jürgen Kaiser (Grüne) gab zu bedenken, dass der Vorgang für Ernst, aber auch für Heil verletzend sei. Der Ältestenrat habe Ernst eine Entschuldigung empfohlen, dann wäre die Ehrung möglich gewesen. Doch Ernst habe abgelehnt: „Er geht damit auf Konfrontationskurs.“

So stimmte nur die SPD für eine Ehrung Ernsts, es gab eine Enthaltung. Beschlossen wurden Ehrungen für Arnold Kolkhorst, Wolfgang Althoff, Anna-Katherina Gerhard, Jakob Hain, Friedgard Trosse und Wilfried Werner. Die Sozialdemokraten stimmten nicht mit ab und gaben dann bekannt, dass ihre ehemaligen Kommunalpolitiker Kolkhorst, Hain und Werner die Ehrung ablehnen würden. (ode)

Alwin J. Wagner
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Die Ehrung oder Nicht-Ehrung von Karl-Heinz Ernst scheint nun endlich ein Ende gefunden zu haben. Ernst, der vorher angekündigt hatte, er werde bei der Sitzung der Stadtverordneten dabei sein, nahm dann doch nicht als Zuhörer teil. Schade; vielleicht wollte er seiner Niederlage nicht bewohnen?

Wer über Monate hinweg seinen Nachbarn denunziert und ausspioniert, hat es nicht verdient, Stadtältester zu werden, auch wenn alle Richtlinien der Satzung erfüllt werden. Ein „Muss“ wie SPD-Fraktionschef Hannappel erklärte, besteht schon gar nicht. Man muss sich fragen, warum Karl-Heinz Ernst, der fast 30 Jahre lang Landtagsabgeordneter war, als Spitzel tätig wurde, d.h. aus eigenem Antrieb Informationen über Herrn Heil lieferte. Würden wir heute in der damaligen DDR leben, hätte ich dieses Fehlverhalten zwar auch nicht verstanden, aber akzeptieren müssen. Damals gab es die inoffiziellen Mitarbeiter (IM), die verdeckt Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit lieferten, ohne formal für diese Behörde zu arbeiten. Aber bei uns in der Bundesrepublik erwarte ich von einem Politiker, dass er sich an Recht und Gesetz hält und keine Personen aus anderen Parteien denunziert.

Wäre Karl-Heinz Ernst über seinen Schatten gesprungen und hätte sich bei Herrn Heil entschuldigt, hätte man über eine Ehrung reden können. Aber Ernst sah sein Fehlverhalten nicht ein, lehnte eine Entschuldigung ab und ging damit auf Konfrontationskurs. Ein Stadtältester aber sollte ein Vorbild sein. Karl-Heinz Ernst ist das Gegenteil.

Pfiffiger_H4
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Die Entscheidung war richtig und gut, es sollte keiner Geehrt werden der seinem Nachbar nicht die Butter auf dem Brot gönnt, dieser Mann hat einen anderen Angegriffen um ihn seiner Lebensgrundlage zu berauben, so was macht man nicht und ist Schäbig ohne ende.

Wer einen Herrn Ernst zum Freund hat braucht keine Feinde mehr, das ist sicher, in meiner Nachbarschaft dürfte so einer nicht Wohnen, der währe schon Geschichte.

Politik hin und Herr, egal man welcher Partei angehört, man greift nicht die Lebensgrundlage anderer an!.
Das hat Herr Ernst wahrscheinlich bis heute nicht verstanden!.

jayjayo
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ja genau 25 Vorstandsmitglieder mit Familie (also mal 2,5) das macht dann grob über den Daumen 60 Personen. Wo haben sie denn dann noch Platz gefunden, denn mehr Zuschauer habe ich nicht gezählt (was eigentlich schon sehr viel ist).
Also saßen sie im Plenum und sehen das Ganze eh nur durch eine eingefärbte Brille...
Und einen Hut vor der Stadtverordnetenversammlung hätte man ziehen können, wenn die Abstimmung ohne Fraktionszwang stattgefunden hätte.

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