Szenische Lesung über Lampedusa: Ertrunken im Mittelmeer

Gudensberg. Über drei Jahre ist es her, seit am 3. Oktober 2013 ein überladener Kutter mit 545 Flüchtlingen vor der italienischen Insel Lampedusa versank. Für 366 Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien, die vor Krieg, Verfolgung und Hunger geflohen waren, erfüllte sich die Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa nicht: Sie ertranken im Meer.

Mit der szenischen Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“ wurde am Freitagabend im F 26 in Gudensberg an das Schicksal der Bootsflüchtlinge erinnert. Gebannt lauschten die Zuhörer den Gudensbergern Pit Faupel, Friederike Alter, Dieter Büttner. Heinz Jaehn und Sigrid Prien, als diese mit ernstem Tonfall das dramatische Werk vorlasen.

Zeugenaussagen

Der italienische Autor Antonio Umberto Riccò hatte es aus Zeugenaussagen von Einwohnern, überlebenden Flüchtlingen, Touristen, Behördenvertretern und dokumentarischem Material zusammengestellt. Dadurch bekam man die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven präsentiert. Die Lesung wurde untermalt mit Bildern der Rettungsaktion und Liedern des italienischen Musikers Francesco Impastato.

Besonders ergreifend war die abschließende Zeugenaussage des Fischers Domenico, der die dramatischen Ereignisse immer wieder durchlebt. Er musste bei jedem Griff entscheiden, wen er festhalten konnte und wen er sterben lassen musste. Er sagte: „Sie ertranken vor meinen Augen und ich musste zusehen. Hilflos, auch ich am Ende ohne Kraft, wie sie. Aber ich lebe, sie sind ertrunken.“

Im Anschluss gab es eine Diskussionsrunde mit Sabine Schrader (Traumazentrum Kassel), Frank Skischus (Kasseler Friedensforum) und Dorothea Hamacher („Arbeitskreis Willkommen“ Gudensberg). Skischus betonte: „Das Dubliner Abkommen ist ein Gesetz der Desolidarisierung.“ Er hoffe, dass es als Regelung der Schande in die Geschichte eingehe. Solange Fluchtursachen nicht beseitigt würden, kämen Flüchtlinge. Hamacher berichtete von einem Afghanen, der nicht verstehen konnte, warum die Bundesregierung einen Pakt mit Afghanistan mache, obwohl man wisse, dass die afghanische Regierung korrupt sei.

Stabilität und Sicherheit

„Die Menschen brauchen Sicherheit, Stabilität und eine Widerherstellung ihrer Handlungsfähigkeit“, sagte Schrader. Man müsse sie kleine Schritte selber gehen lassen.

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