Vorbeugen gegen Demenz: Sportverein und Diakonie suchen in Falkenberg gemeinsam Wege gegen die Erkrankung

Sie wollen die Waberner bewegen: von links Doris Möller-Comtesse (Geschäftsführerin Diakoniestation Wabern), Pfarrerin Sabine Koch, Roland Klingler (Ortsvorsteher Falkenberg), Tanja Klingler (Leiterin Senioren-Gymnastikgruppe Falkenberg) wollen Demenz etwas entgegensetzen. Foto: Laumann

Falkenberg. Erst vergisst man, das Fenster zu schließen. Später legt man den Autoschlüssel in den Kühlschrank anstatt auf die Kommode. Die Demenz kommt schleichend. Und mit ihr das Schweigen.

„Darüber wird nicht gerne gesprochen“, sagt Doris Möller-Comtesse von der Diakoniestation Wabern. Demenz sei für viele Menschen ein Tabuthema. Dieses Tabu wollen die evangelische Kirchengemeinde Hebel, der Sportverein Falkenberg und die Waberner Diakonie gemeinsam brechen.

Die drei verbindet ein Ziel. Sie möchten, dass sich die Menschen in Wabern mehr bewegen: körperlich, geistig und seelisch. Denn diese Bewegung helfe, die Altersvergesslichkeit und die Demenz herauszuzögern. Das sei wissenschaftlich bewiesen. Das Konzept basiert auf drei Säulen:

1. Erinnern

Am letzten Sonntag im Monat ist im Falkenberger Feuerwehrhaus ab 13 Uhr Gottesdienst. Pfarrerin Sabine Koch spricht dort vor allem vor Senioren. Wenn der Gottesdienst endet, ist seit April aber längst nicht Schluss.

Die Gläubigen bleiben zusammen und spazieren gemeinsam durch den Ort. Die älteren Bürger beginnen zu erzählen: Es kommen Kindheitserinnerungen hoch. „Sie erzählen Geschichten gegen das Vergessen“, erklärt Koch die Idee hinter dem Spaziergang. Die Senioren hätten einiges zu erzählen. „Das ist spannend“, sagt Ortsvorsteher Roland Klingler. Er wünscht sich, dass mehr Falkenberger, jüngere wie ältere, mitmachen. Es gebe aber bei vielen eine Hemmschwelle, die überwunden werden müsse.

2. Bewegen

Drei Gymnastikgruppen gibt es beim SV Falkenberg. Tanja Klingler betreut die Seniorengruppe, die mittwochs ab 18 Uhr in der Sporthalle trainiert. Immer wieder setze sie dort Akzente. Sie setzt bestimmte Übungen ein, um der Demenz vorzubeugen. Das nötige Rüstzeug hat sie bei Fortbildungen erhalten. Bisher gebe es in der Gruppe niemanden, der an Demenz erkrankt ist. Dabei steht die Gruppe auch Patienten offen.

3. Informieren

„Wir haben uns in Falkenberg getraut, das Thema Demenz anzusprechen“, freut sich Roland Klingler. Er und seine Mitstreiter möchten die Erkrankung in die Öffentlichkeit tragen. Zum Auftakt laden sie Betroffene, pflegende Angehörige und alle Interessierten zu einem Filmabend ein.

Heute, Freitag, 13. Mai, zeigen sie im evangelischen Gemeindehaus in Hebel den Film „Honig in Kopf“. Der Abend beginnt um 19 Uhr mit einem Vortrag. Dr. Jens Zemke, Chefarzt der Geriatrie in Melsungen und Ziegenhain, sowie Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Schwalm-Eder. Der Mediziner spricht an dem Abend über Demenzerkrankungen.

Von Anke Laumann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.