Gemeinde zieht Reißleine

Wabern verzichtet beim Bau des Seniorenwohnzentrums auf Zinseinnahmen

So soll es einmal aussehen: Das geplante Seniorenwohn- und Pflegezentrum in Wabern. Doch bislang hat sich auf der Baustelle an der Kurfürstenstraße nichts getan. Archivfoto: privat
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So soll es einmal aussehen: Das geplante Seniorenwohn- und Pflegezentrum in Wabern. Doch bislang hat sich auf der Baustelle an der Kurfürstenstraße nichts getan.

Wabern. Das geplante Seniorenwohn- und Pflegezentrum in Wabern wird nicht nur später fertig als gedacht. Es wird auch teurer als angenommen.

Damit das Haus an der Kurfürstenstraße doch noch gebaut werden kann, hat die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am Donnerstag eine wichtige Entscheidung getroffen: Die Verwaltung senkt den vereinbarten Zinssatz für das Eine-Million-Euro-Darlehen von 1,75 auf 1,25 Prozent. Das bedeutet einen Einnahmeverlust von 34.000 Euro.

Für die CDU war die Entscheidung „alternativlos“, aus Sicht der FWG blieb „keine andere Wahl“. „Wenn wir nicht zustimmen, kann es passieren, dass das ganze Projektplatz“, fasste CDU-Fraktionsvorsitzender Kristian Ewald die Situation zusammen.

Eigentlich sollte im vergangenen Herbst die von der Arbeiterwohlfahrt betriebene Einrichtung eröffnet werden. Seit der Generalbauunternehmer Müller-Bau Anfang 2015 Insolvenz angemeldet hat, ruht die Baustelle. Die Alott-Grundstücksverwaltung hat aber weiter Geld aus dem Darlehen angefordert. 740.000 Euro hat die Gemeinde Wabern bislang gezahlt.

„Bürgermeister Claus Steinmetz hat irgendwann die Reißleine gezogen“, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Georg Bauer. Steinmetz brachte im Dezember alle Beteiligten an einen Tisch. Dort wurde klar, dass das Seniorenwohnzentrum 950.000 Euro teurer wird als geplant. Im Sommer war noch von 600.000 Euro die Rede. „Es wurde nicht mit offenen Karten gespielt“, resümierte Bauer. Die Gemeinde habe am „Katzentisch“ gesessen. Im Januar gab es ein zweites Treffen. Alle beteiligten sollten Vorschläge machen, wie die Kosten gesenkt werden können. Das Ergebnis: Der Nachfinanzierungsbedarf wurde gedrückt. 14.000 Euro sind derzeit nicht finanziert, das Geld soll bei der Einzelvergabe der Gewerke herasusgehandelt werden.

Die Gemeindevertreter waren sich einig: Die Kommunikation muss besser werden, um im Notfall besser reagieren zu können. Der Gemeindevorstand wurde beauftragt, Vereinbarungen mit den Beteiligten zu treffen. So solle das restliche Geld erst nach der Auftragsvergabe fließen. Über den Baufortschritt will die Gemeinde regelmäßig informiert werden.

„Wir sind in einer Situation, die wir uns nicht haben vorstellen können“, sagte Waberns Bürgermeister Claus Steinmetz. Alle Beteiligten schauten auf Wabern und hofften, dass die Gemeindevertreter die „richtigen Beschlüsse“ fassen. Und alle Beteiligten hätten ein Interesse daran, dass das Alten- und Pflegeheim gebaut wird. „Ab jetzt sollte gelten: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, betonte Steinmetz und kündigte an: „Ich werde an den weiteren Vorbereitungen ganz nah dran sein.“

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