Wegen Busfahrer-Touren: Fritzlarer Stadtführer sorgen sich um guten Ruf

Besonderer Stadtrundgang durch Fritzlar: Zur Stadtführergilde gehören auch Gerlinde und Miriam Brandstetter in ihren Kostümen.

Fritzlar. Sie repräsentieren die Stadt und zeigen Fritzlars schönste Seiten: die Gästeführer der Stadtführergilde Fritzlar. Sie sorgen sich jedoch jetzt um ihren Ruf.

Immer wieder seien es nicht sie, die Rundgänge durch die Dom- und Kaiserstadt anbieten, sondern Busfahrer der Bad Wildunger Kraftwagenverkehrs- und Wasserversorgungsgesellschaft (BKW).

Manfred Ochs, Vorsitzender der Stadtführergilde, hat dafür kein Verständnis. Es sei eine Art Ehrenkodex, dass Anbieter in fremden Städten keine Führungen anbieten. Stattdessen würden die Gästeführer kooperieren und sich gegenseitig die Besucher vermitteln.

Seit drei bis vier Monaten gebe es von den BKW-Busfahrern jedoch vermehrt Führungen auf eigene Faust. Erst am vergangenen Samstag habe es einen Fall gegeben. Zwei Bustouren der BKW seien in Fritzlar angekommen und die Busfahrer hätten die Teilnehmer durch die Altstadt geführt. „Die erzählen dann Dinge, die sie in einem Prospekt aufgeschnappt haben. Das ist nicht der Standard, den wir vertreten“, betont Ochs.

Das Busunternehmen versteht sich nicht als Konkurrenz zur Stadtführergilde, erklärt BKW-Geschäftsführer André Boos. „Wir wollen den Stadtführern nicht die Arbeit wegnehmen.“ Vielmehr sei die Zeit zu knapp, um an den Führungen teilzunehmen. „Wir sind nur zwei bis zweieinhalb Stunden in der Stadt und viele Besucher wollen noch ins Café und in die Geschäfte“, erklärt Boos. Eine eineinhalbstündige Führung sei nicht möglich. Boos kündigte an, das Gespräch mit Ochs zu suchen. Vielleicht könnten sie gemeinsam ein passendes Angebot für die BKW-Touren finden.

Als Reaktion auf die BKW-Führungen tragen die Gästeführer der Stadtführergilde nun einen Ausweis samt Foto. Das Dokument wurde vom Bundesverband der Gästeführer ausgestellt.

Hintergrund: 600 Stunden Ausbildung

Wer als Gästeführer Fritzlars schönste Seiten zeigen möchte, muss eine 600 Stunden umfassende Grundausbildung absolvieren. Wie Manfred Ochs von der Stadtführergilde erklärt, lernen die Teilnehmer dort unter anderem rechtliche Grundlagen sowie Kommunikation und Konfliktbewältigung. Auch deutsche Geschichte sowie Stilkunde stehen auf dem Stundenplan. Es gebe klare Richtlinien, die Dozenten müssen eine Zulassung beim Bundesverband der Gästeführer in Deutschland haben.

In der Stadtführergilde Fritzlar engagieren sich derzeit 24 Gästeführer. An den 1200 Führungen im Jahr nehmen laut Ochs mehr als 20 000 Menschen teil.

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