Sophie Bergmann setzt sich für Opfer ein

Sie will Ebola-Waisen helfen: Fritzlarerin unterstützt Hilfsorganisation

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Sophie Bergmann

Fritzlar/Sierra Leone. Ebola hat das Leben der Menschen in Westafrika verändert. Man gibt sich nicht mehr die Hand, Familien schotten sich ab, Ebola-Gegenden werden gemieden. Die Menschen haben Angst. All das weiß Sophie Bergmann aus Fritzlar aus erster Hand.

Sie gehört dem Hilfsprojekt Unlimited Partnership an und arbeitet von Deutschland aus mit Menschen in Sierra Leone zusammen.

Bislang habe Unlimited Partnership Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, erklärt sie. „Um das Bildungsniveau zu erhöhen, sowie die Wirtschaftslage zu verbessern“, so Bergmann. Mikro-Kredite in Höhe von 35 Euro pro Person wurden vergeben. Mittlerweile haben davon 70 Frauen profitiert, die sich mit Verkaufsständen selbstständig machten. „Außerdem haben sie gelernt zu lesen und zu schreiben. Das ganze Projekt ist ein großer Erfolg“, sagt sie.

Eigentlich müsste sie das Wort gewesen anfügen. Denn die Arbeit der Hilfsorganisation, in deren Vorstandsteam die Studentin ehrenamtlich mitarbeitet, hat sich seit dem Ausbruch der todbringenden Krankheit verändert. Derzeit werden keine neuen Mikro-Kredite mehr vergeben. Laufende Projekte bestehen aber weiter.

Aufklärung ist jetzt wichtig 

„Wir setzen jetzt auf Prävention“, sagt sie. Es sei wichtig, die Menschen in Sierra Leone über Ebola und die Ansteckungswege aufzuklären. Nur so könne man verhindern, dass sich immer mehr anstecken, sagt sie. Von Radiobeiträgen, über den Besuch von Krankenschwestern in den Dörfern, bis hin zu Touren mit Auto und Megaphone durch die Dörfer, reiche die Öffentlichkeitsarbeit, die die Hilfsorganisation zusammen mit ihren Partnern mache. „Wir müssen alle Menschen erreichen“, sagt Bergmann. Häufig herrsche viel Aberglaube vor. Etwa: „Wenn man genug Vertrauen in Gott hat, dann werde die Krankheit einen nicht treffen.“ Das habe ein Pfarrer aus Sierra Leone berichtet, mit dem Unlimited Partnership eng zusammen arbeite.

Die Menschen haben Angst 

Behandlung; An Ebola erkrankte Patienten werden im Behandlungszentrum in Kailahun in Sierra Leone von Ärzte ohne Grenzen versorgt.

„Viele Menschen haben Angst davor, zum Arzt zu gehen. Sie haben Angst vor Ausgrenzung und Angst vor der Ansteckung“, sagt Bergmann. Zudem gebe es neben der Krankheit eine weitere dramatische Entwicklung. „Es gibt viele Ebola-Waisen.“

Mit diesen Kindern wolle kaum jemand Kontakt haben, selbst in Waisenhäusern kommen sie nicht unter - aus Angst vor Ansteckung. Deshalb biete ihre Hilfsorganisation jetzt neben den ursprünglichen Patenschaften auch Patenschaften für Ebola-Waisen an. Sophie Bergmann versichert, dass das Geld zu 100 Prozent bei den Menschen ankomme. „Weil wir ehrenamtlich arbeiten“, erklärt die 25-Jährige. Das Team bestehe aus Hochschulabsolventen. Partnerorganisationen von Unlimited Partnership sind Freetown Caritas und Hilfe Oldenburg.

Service 

• Kontakt: Sophie Bergmann, Tel. 0157/37322404

• Spenden: Unlimited Partnership e.V., Münchner Bank e.G., Konto 1187430, BLZ 70190000, BIC GENODEF1M01, IBAN:

DE 277019 00000001187430.

• Im Internet: www.unlimitedpartnership.org

„Es ist bitter, was diesem Land geschieht“, sagt Sophie Bergmann. Erst habe der Bürgerkrieg Sierra Leone nahezu vernichtet. „Danach haben es die Menschen geschafft, sich wieder eine Existenz aufzubauen und jetzt diese Krankheit, die wieder alles zerstört. Wir können aber helfen“, sagt sie. Mit wenigen Mitteln. Es sei nicht viel Geld nötig, um das Leben der Menschen zu verbessern.

Eigentlich wollte Sophie Bergmann vor ihrem Master-Studium in diesem Jahr nach Sierra Leone reisen. Doch die Reise hat sie zunächst verschoben - „aus Sicherheitsgründen und auch, weil wir jetzt von hier aus Hilfe organisieren müssen, um das Leben der Menschen wieder zu verändern“, fügt sie hinzu.

Von Maja Yüce

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