Archäologische Funde: 7500 Jahre alte Siedlung bei Duderstadt entdeckt

Mit Baumabschnitten haben die Archäologen markiert, wo die Pfosten des 7500 Jahre alten Langhauses bei Seulingen einmal gestanden haben: (von links) Kreisarchäologin Dr. Andrea Bulla, Grabungsleiter Dáire Leahy und die zuständige Göttinger Kreisrätin Christel Wemheuer. Foto: Niesen

Seulingen. Die ersten Ackerbauern haben auf dem fruchtbaren Lössböden in Seulingen bei Duderstadt bereits vor 7500 Jahren gelebt und gearbeitet. Die Siedlung gehört damit zu den ältesten Zeugnissen der sogenannten Kultur der Linienbandkeramik in Europa.

Davon zeugen insgesamt sechs Hausgrundrisse und zahlreiche Fundstücke, die Archäologen unter der Federführung von Göttingens Kreisarchäologin Dr. Andrea Bulla jetzt auf einer Fläche von rund 4000 Quadratmetern gesichert haben. „Das ist ein sehr seltener Fund, in Europa gibt es davon nur rund 300“, sagt Ausgrabungsleiter Dáire Leahy von der Firma Goldschmidt Archäologie und Denkmalpflege aus Düren, die für die Arbeiten nicht weit vom Suhlabach entfernt verantwortlich zeichnet.

Eines der Gebäude haben die Archäologen in seiner Struktur komplett freigelegt. Es handelt sich dabei um ein Haus, das knapp sieben Meter breit und 30 Meter lang war – ein stattliches Langhaus, mit knapp 30 Pfosten in parallelen Reihen zu je drei bis fünf Pfosten und eine den Nordwestteil umlaufende Holzwand. „Dort werden zwischen sieben und zehn Menschen gelebt haben“, vermutet der Grabungsleiter. Zwei Auffälligkeiten stechen dabei ins Auge, sagt Kreisarchäologin Andrea Bulla: Mit dem Eingang im Nordwestteil gibt es eine bisher nicht bekannte Sonderform. Außerdem hat das Haus offenbar einen Vorbau auf der Südostseite gehabt.

Bulla: „Diese Konstruktion kommt nach bisheriger Forschung nur in den ältesten Stufen der Linienbandkeramik vor. Damit wäre Seulingen einer der wenigen Plätze in Europa, die den Beginn dieser Kultur belegen.“ Die Siedlung wäre damit älter als bisher gedacht.

Das Besondere ist, dass die Menschen in dieser Zeit sesshaft wurden und begannen, Ackerfrüchte wie Emmer, Einkorn, Dinkel, Gerste, Lein, Linsen und Erbsen anzubauen. Außerdem starteten sie die Zucht von Rinder, Schafen, Ziegen und Schweinen und domestizierten den Wolf.

Auf die Spur der steinzeitlichen Siedlung wurden die Wissenschaftler durch Funde gebracht, die von Landwirten auf ihren Feldern entdeckt worden sind. Die Archäologen werden nicht das komplette Siedlungsgebiet ausgraben. Auf dem zweiten Teil des Neubaugebiets sollen aber anhand von geomagnetischen Untersuchungen weitere Informationen über Strukturen im Boden gesammelt werden.

Gemeinde trägt Kosten

Notwendig wurden die Untersuchungen, weil die Gemeinde Seulingen dort ein Neubaugebiet für Einfamilienhäuser plant, sich dort aber das eingetragene Bodendenkmal befindet. Die Gemeinde Seulingen muss deshalb auch die Kosten für die Grabungen übernehmen. Ein hoher fünfstelliger Betrag wird dafür fällig, schätzt Bürgermeister Matthias Rink. Die Gemeinde werde versuchen, zumindest einen Teil der Kosten bei der Entwicklung des Gebiets umzulegen. (zhp)

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