Ausverkauftes Heimspiel für „Die Feisten“ in Göttinger Stadthalle

Starker Auftritt: Die zwei genialen „Feisten“ füllten mühelos die große Bühne der Stadthalle Göttingen. Foto: Eriksen

Göttingen. Die ausverkaufte Stadthalle kochte beim Konzert des Duos „Die Feisten" in ihrer alten Heimat Göttingen, bevor die beiden überhaupt zu singen angefangen hatten.

Und die Stimmung riss bis zum Schluss nicht ab.

Es waren viele langjährige und textsichere Fans anwesend, so dass das Mitsingen bei „Es ist gut, wenn Du weißt, was du willst“ und beim angeblich afrikanischen Titel „Wulle ma se“ kein Problem war.

Mathias Zeh, genannt C., amüsierte es sichtlich, dass die Besucher bereitwillig alles nachmachten, was er ihnen vorgab. Überhaupt ist das gutmütige Veräppeln des Publikums ein wiederkehrendes Element in vielen Texten und in den nicht weniger witzigen Überleitungen.

Entwaffnender Charme

Man verzeiht den beiden glatzköpfigen Barden das wiederholte Sticheln, erstens, weil sie mit kleidsamer Selbstironie auch ihr eigenes Altern auf die Schippe nehmen, und weil die hervorragenden Musiker mit entwaffnendem Charme und überwältigender Bühnenpräsenz auftreten. Die Texte strotzen vor schwarzem Humor, Spottlust und Satire. Erst fangen sie ganz harmlos an, aber dann muss man die Ohren ordentlich spitzen, um keine Pointe zu verpassen.

Mal scheinbar unschuldig, mal mit eindeutigen Körperbewegungen und mit trotz der Sonnenbrille ausdrucksvoller Mimik und einem spitzbübischen Lächeln trägt C. die Texte vor. Gelegentlich greift er auch zu verschiedenen Saiteninstrumenten oder schlägt den Rhythmus auf dem Cajon oder der Udu.

Rainer Schacht spielt ebenfalls verschiedene Saiteninstrumente, unter anderem ein hübsches, fast hundert Jahre altes Banjo, singt bei vielen Titeln intonationssicher eine unauffällige Oberstimme und setzt vor allem auf begnadete Weise seine Stimme als Rhythmusinstrument ein. Einige Stücke werden a cappella vorgetragen, musikalisch ein besonderer Genuss.

Viele der Titel stammten vom neuen Doppel-Live-Album mit dem Titel „Nussschüsselblues“, mit sechs s. Wer den Titelsong aufmerksam verfolgt hatte, griff am Tisch mit Fan-Artikeln nicht in die Erdnussschale, obwohl versichert wurde, dass die Nüsse frisch aus der Tüte kämen.

Manchmal überdeckte das Lachen des Publikums den spitzzüngigen Text bei Nummern wie „Gammelfleischparty“, „Flamingo Dolores“, „Tsunami der Liebe“ und nicht zuletzt „Unfortschnittly“ auf Denglisch. Auch die wunderschöne Romanze „Die Wüste“ mit Rainer Schacht als Prinzessin wurde von Gelächter begleitet.

Vor den beiden Zugaben applaudierte das entusiastische Publikum im Stehen. Eingefleischte Feist-Fans und solche, die es werden wollen, können anfangen, sich zu freuen: Am 28. Oktober 2017 treten „Die Feisten“ mit einer neuen Show in der Stadthalle Göttingen auf. Der Vorverkauf hat schon begonnen.

Von Anne-Lise Eriksen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.