Behinderte Menschen weben Naturstoffe auf Gut Besenhausen

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Handweberei Rosenwinkel Besenhausen: Werkstattleiterin Nele Knierim (rechts) und Geschäftsführerin Telke Reeck bei der Arbeit in der Werkstatt.

Besenhausen. Beinahe 25 Jahre ist es her, dass im Rittergut Besenhausen bei Friedland die Handweberei Rosenwinkel vom gleichnamigen Verein gegründet wurde. Seither produzieren dort behinderte und anderweitig benachteiligte Menschen aus feinsten Naturgarnen textile Meisterwerke.

Schon an der Türschwelle zum Rittergut beginnt eine kleine Zeitreise. Hölzerne Stufen führen hinauf zum großen Websaal, wo das denkmalgeschützte Gemäuer mit massiven Balken gestützt wird. Hohe Fenster fluten die Werkstatt mit Sonnenlicht, wo unermüdlich die großen Webstühle klappern.

Mit jedem Schuss aus dem Weberschiffchen verdichtet sich das Tuch. Heraus kommen handgewebte Heimtextilien, Teppiche und Kleidungsstücke. Jedes Stück ein Unikat. Einmalig sowohl in ihrer Farbe als auch in der Gestalt.

„Was unsere Manufaktur verlässt, ist Ausdruck höchster Handwerkskunst“, sagt Werkstattleiterin Nele Knierim. Sie zählt bereits seit 1995 zum festen Inventar der Handweberei. Damals. Mit 14 Jahren, absolvierte sie dort ein Schülerpraktikum. „Ich war so begeistert von der Arbeit und von der Atmosphäre hier, dass ich geblieben bin“, sagt sie. Nachdem sie in Besenhausen ihre Ausbildung zur Weberin gemacht hatte, setzte sich noch ein Textildesignstudium obendrauf. „Am Weben gefällt mir so gut, dass man dabei jederzeit in den Gestaltungsprozess eingreifen und Änderungen vornehmen kann“, sagt sie. Außerdem weiß man abends immer ganz genau, was man tagsüber geschafft hat.“

Diese Zufriedenheit strahlen auch die übrigen sechs Weberinnen aus, die in der Handweberei arbeiten. „Zu Spitzenzeiten gab es hier sogar mal 30 Angestellte“, sagt Telke Reeck, seit Mitte März Geschäftsführerin der Handweberei Rosenwinkel. Das sei jedoch nur in Zeiten möglich gewesen, als man noch Fördermittel von der EU bekam.

„Das Problem ist, dass handgewebte Produkte eine viel zu geringe Gewinnspanne haben“, sagt sie. Weil sich der Betrieb allein durch deren Verkauf nicht aufrechterhalten lasse, sei man auf finanzielle Hilfe angewiesen. „Neben den Beiträgen der 140 Vereinsmitglieder bekommen wir Unterstützung vom Landkreis und der Gemeinde Friedland.“

Mit der Übernahme des Cafés, das bislang von den Gutsbesitzern geführt wurde, könnte es für die Handweberei finanziell wieder etwas nach oben gehen. „Das ist zwar eine ziemliche Aufgabe, die viel Kraft bindet“, sagt Telke Reeck. „Aber wir hoffen, auch aus dem Café langfristig einen sozialen Betrieb machen zu können und dadurch vielleicht noch den einen oder anderen Arbeitsplatz im Sinne der Vereinssatzung schaffen zu können.“

• Weitere Infos gibt es im Internet: www.rosenwinkel.de

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