Betrug mit fingierten Unfällen: Ex-"Big Brother"-Kandidat bleibt länger in Haft

Hier fiel am Dienstag das Urteil: Der 33-Jährige muss nun länger in Haft bleiben. Rubrikenfoto: Schlegel

Göttingen. Ein ehemaliger Teilnehmer der Fernsehserie „Big-Brother“, der derzeit wegen der Erpressung eines Lottomillionärs eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verbüßt, muss zusätzlich neun weitere Monate im Gefängnis verbringen.

Das hat am Dienstag das Landgericht Göttingen entschieden. Die Richter verurteilten den 33-jährigen Kickboxer wegen vierfachen Betruges sowie eines versuchten Betruges unter Einbeziehung des früheren Urteils zu einer Gesamtstrafe von sechseinhalb Jahren. Der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte hatte nach Überzeugung der Kammer absichtlich eine Serie von Verkehrsunfällen herbeigeführt, um anschließend Geld von den Versicherungen zu kassieren.

Ein 32-jähriger Mitangeklagter, der an einem der fingierten Unfälle beteiligt gewesen war, erhielt wegen Beihilfe zum Betrug eine Gesamtstrafe von zwei Jahren. Das Gericht setzte die Strafe zur Bewährung aus. Als Auflage muss der 32-Jährige eine Geldbuße von 500 Euro zahlen. Der Mitangeklagte war auch schon an der Erpressung des Lottomillionärs beteiligt gewesen und hatte in dem früheren Prozess eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten erhalten.

Anders als im damaligen Erpressungsverfahren ging dieser Prozess zügig zu Ende, weil sich die Beteiligten zu Beginn auf eine verfahrensverkürzende Absprache verständigten. Die Angeklagten räumten die Hälfte der insgesamt zehn angeklagten Fälle ein, die anderen fünf Verfahren wurden daraufhin eingestellt.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für den Kickboxer eine um zwei Monate höhere Gesamtstrafe gefordert hatte. Die Verteidigung beantragte eine etwas niedrigere Gesamtstrafe von sechs Jahren und fünf Monaten.

Die Kammer stufte die fingierten Unfälle als gewerbsmäßigen Betrug ein. Der 33-Jährige, der bei allen Taten unter Bewährung stand, habe dabei eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt, sagte der Vorsitzende Richter Burkhard Klemke. Deutlich strafmildernd wirkten sich die Geständnisse aus, weil sich damit das Verfahren stark abkürzen ließ.

Allerdings blieben einige Zweifel, ob der 33-Jährige „wirklich reinen Tisch“ gemacht habe und das Geständnis „ganz rückhaltlos“ gewesen sei. Der frühere Kickboxer hatte beteuert, dass die Haft bei ihm einen „Sinneswandel“ bewirkt habe. Er habe begonnen, sich intensiv mit seinen Straftaten auseinanderzusetzen und absolviere derzeit eine Berufsausbildung. „Wie bisher möchte ich nicht weitermachen“, sagte er. (pid)

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