Bizarrer Demo-Tourismus der rechten Szene durch die Region

Bei der ersten Demo von Aktivisten aus der rechten Szene in Lindau am vergangenen Wochenende: Gleichzeitig gab es eine Gegenkundgebung mit deutlich mehr Teilnehmern. Foto: pid

Duderstadt/Northeim. Ein bizarrer Demo-Tourismus beschäftigt immer mehr Ordnungs- und Polizeibehörden in Südniedersachsen. Begonnen hat es in Duderstadt.

Seit Ende November versammeln sich dort an jedem Sonntagnachmittag zwischen 30 und 100 Teilnehmer zu einem so genannten „Freiheitlichen Bürgertreff für die Zukunft unseres Landes“. Die Aktivisten, die hier zusammenkommen, entstammen allerdings weniger der bürgerlichen, sondern größtenteils der rechtsextremen Szene. Und diese will ihren Radius offenbar ausweiten: An diesem Sonntag haben die Aktivisten vier Veranstaltungen angemeldet. Erst wollen sie sich in Northeim treffen, dann in Lindau, dann in Duderstadt und zum Schluss im thüringischen Heiligenstadt.

Der Unterhaltungswert dürfte sich für die Reisegruppe in Grenzen halten, da sich sowohl der Redner als auch die Inhalte wiederholen. So war es auch am vergangenen Wochenende. Wie schon bei den Veranstaltungen zuvor war auch diesmal der Friedländer Jens Wilke als reisender Agitator im Einsatz. Der Finanz- und Versicherungsmakler zeichnet sich durch eine aggressive Rhetorik aus. Auf seiner Internet-Seite wirbt er mit dem Slogan „Sieg oder Spielabbruch! Hör auf zu heulen und fang an zu handeln!“

Die ersten Kundgebungen in Duderstadt hatte noch der in der Burschenschaft Hannovera organisierte Göttinger Student Lars Steinke angemeldet. Dieser ist auch als Gründer der Göttinger Hochschulgruppe „Junge Alternative“, einer Nachwuchsorganisation der Alternative für Deutschland (AfD), hervorgetreten. Inzwischen hat sein Kommilitone Jan Philipp Jaenecke die Rolle des Anmelders übernommen. Der 26-Jährige ist bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Hinter den Veranstaltungen steht vor allem der so genannte „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“. Dieser agitiert nicht nur gegen Flüchtlinge und Asylbewerberunterkünfte, sondern droht in einem kürzlich veröffentlichten Facebook-Eintrag auch schon mal mit Gewalt: „Liebe Antifa! Jagt nichts, was ihr nicht töten könnt. Es ist kein Geheimnis, dass diverse Rocker Clubs, Hooligans und andere Vollkontaktbegeisterte in großer Zahl zu unseren engsten Vertrauten gehören und zum Schutze unserer Lieben jedes Mittel recht ist.“

Anfang Januar hatte die Polizei bei zwei Personen, die sich auf dem Weg zu einer Versammlung in Duderstadt befanden, neben Reizgas auch einen Teleskop-Schlagstock sowie Schlagschutzhandschuhe festgestellt.

An den Kundgebungen des Freundeskreises nehmen auch NPD-Aktivisten teil. Am vergangenen Wochenende wurde in Lindau der mehrfach vorbestrafte Neonazi-Führer Thorsten Heise gesichtet, der eine Zeitlang dem NPD-Bundesvorstand angehörte. Heise war einst Anführer der Northeimer Neonazi-Szene. (pid)

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