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Buchkunst wie bei Gutenberg in Bovenden

„Typographische Poesie“: Hans Witte mit einem seiner jüngsten Werke, die er in seiner Ausstellung in der Bovender Galerie am Thie präsentiert. Foto: Lawrenz

Bovenden. Buchkunst à la Johannes Gutenberg ist bis Ende Januar in der Bovender Galerie am Thie zu sehen. In einer am Sonntag eröffneten Austellung zeigt der Buchkünstler Hans Witte Werke aus seiner Handdruckerei – Collagen, Buchobjekte und graphische Drucke.

Wie Gewichte zum Beschweren der Buchstabenblätter verteilte Witte große Holzbuchstaben am Boden. Eine Maschine zur Vermessung der Klischees hat der Künstler Galileo Galilei nachempfunden. Die beweglichen Buchstaben seien die bahnbrechende Erfindung Gutenbergs gewesen, sagt Witte. Vorher seien Schriften von geschnitzten Holzplatten im Ganzen auf Papier gebracht worden. „Wenn ein Buchstabe kaputt war, musste die Seite neu gemacht werden.“ Galileo habe nachmessen wollen, ob Einzelbuchstaben wirklich passgenau seien, gibt Witte seine Fantasie wieder. Daraus wurde der Vermessungs-Apparat, der nun in der Galerie am Thie zu sehen ist.

Eine weitere Erfindung Wittes, die zu Gutenbergs beweglichen Buchstaben passt, ist eine Reisedruckerei. Wie einen Arztkoffer hat Witte sie entworfen und dann auch aus einem solchen gebaut. Statt Stethoskop und Verbandszeug hätte Gutenberg sicher Einzelbuchstaben, vielleicht Bronzestaub und Beispielblätter mit sich getragen. So hat Witte seine Reisedruckerei befüllt und räumt die Kästchen der mobilen Druckerei ordentlich ein.

Im Sommersemester vor 50 Jahren nahm der gebürtige Peiner (71) sein Lehramtsstudium in Germanistik, Kunst und Sport in Göttingen auf. Als späterer Lehrer in Celle und Hameln machte er im Kunstunterricht Druckversuche mit Buchstaben, Farbe und Papier. Mit einer kleinen Druckmaschine wurde der Grundstein für die Edition Einstein gelegt. Seit seiner Pensionierung geht Witte in dieser Galerie in Deitlevsen zwischen Hameln und Bad Pyrmont auf. Für seine neueste Idee hat er den Namen „Typographische Poesie“ gefunden. In Kassetten gestaltet er Grafik-Collagen mit alten Schriften, Bildern aus alten Zeitschriften und vielen Ideen. Wie ein Schatzkästchen muss der Betrachter das Werk öffnen und die Poesie darin erschließen.

Die Ausstellung mit einer Auswahl aus Wittes Druckwerk ist bis Sonntag, 31. Januar, in der Galerie am Thie in Bovenden zu sehen. Geöffnet ist dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr, sonntags von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0551/838000 oder per E-Mail an info@kulturfreunde-bovenden.de. In der Edition Einstein in Emmerthal/Deitlevsen veranstaltet Witte Führungen und Workshops.

www.editioneinstein.de

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