Deutsches Theater: Stück um Internet-Mobbing „Netboy“ ist angelaufen

Kommen sich nah: Moritz Schulze und Marie (Felicitas Madl) im gerade angelaufenen DT-Stück „Netboy“. Foto: Wienarsch/nh

Göttingen. Aktuelle Themen nehmen im Spielplan des Deutschen Theaters (DT) eine Hauprrolle – so auch bei „Netboy“, ein Stück über Cybermobbing, das jetzt angelaufen ist.

„Da würde ich aber nicht hinscheißen“, sagt einer der jungen Zuschauer, als er in den Theaterraum hineinkommt. Wie ein Präsentierteller wirkt das Podest in Weiß, das Thomas Unthan für „Netboy“ auf der zweiten DT-Bühne erdacht hat.

Genau um eine solch ausgestellte Situation, wie die, die der Zuschauer beschrieben hat, geht es. Marie lässt sich von ihrem Chatpartner Netboy dazu drängen, einer Lehrerin vor die Tür zu scheißen – aus Rache dafür, dass sie ihre Freundin schikaniert. Doch dann erpresst sie der Unbekannte mit einem Foto der Aktion. Als das Bild im Netz veröffentlicht wird, tobt ein Shitstorm. Nichts ist mehr wie früher. Wer ist Netboy?

Intensiv und dicht ist die Inszenierung dieses Beispiels von Cybermobbing aus der Feder von Petra Wüllenweber. Johannes Rieder hat das Stück inszeniert; bezeichnenderweise arbeitet der Regisseur auch als Sozialarbeiter für jugendliche Flüchtlinge. Mit den DT-Schauspielern Felicitas Madl und Moritz Schulze und Julia Duda von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ist ihm eine treffende Arbeit gelungen.

Aus der selbstbewussten Marie (Felicitas Madl) macht der Netboy ein Mädchen, das verzweifelt gegen das Bild von ihr im Internet kämpft. Mit getrennt lebenden Eltern und einem Verehrer, in den ihre beste Freundin verliebt ist, hatte sie schon genug Probleme. Doch Netboy wirft sie völlig aus der Bahn. Am liebsten würde sie nicht mehr leben.

Im Gegenzug wird ihre Freundin Sarah stärker. Ein Kunststück der Verwandlung vollführt Julia Duda. Allein mit einer blonden Perücke schlüpft sie aus der Rolle der Freundin in die der Mutter. In drei Figuren – Klassenkamerad Olaf, Maries Mutter und der Vater – bewegt sich DT-Schauspieler Moritz Schulze sicher. Auch ihm reicht die Perücke als Zeichen, für den Vater markiert er mit dem Finger einen Schnurbart.

Eindrucksvoll ist der Moment, in dem Marie aus ihrer Verzweiflung heraus die weiße Rückwand der Präsentierbühne umwirft und so Platz macht für die Reaktionen, die im Netz ungebremst auf sie niederprasseln: Sie werden nicht nur von ihren Schauspielpartnern Duda und Schulze durcheinander gelesen, sondern wachsen wie ein Buchstabengewitter an den Wänden.

Eine 7.Klasse der KGS Moringen aus Nörten-Hardenberg war Patenklasse für das Stück. In der Aufführung zeigten sich die Schüler fasziniert. Bleibt zu hoffen, dass hier das Theater das vermag, was bloße Worte oft nicht erreichen können.

Von Ute Lawrenz

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