Edith-Stein-Preis geht an Rita Süssmuth

Urkunde für die Preisträgerin: Dechant Wigbert Schwarze gratulierte Prof. Dr. Rita Süssmuth. Foto: Schlegel

Göttingen. Die frühere Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth (76) ist am Sonntag in Göttingen mit dem Edith-Stein-Preis geehrt worden. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wurde zum zehnten Mal verliehen.

Prof. Dr. Rita Süssmuth habe die Grenzen, die die Gesellschaft und die Politik Frauen setzten und setzen, nie akzeptiert, heißt es in der Begründung der Jury. Wie Edith Stein sei sie zutiefst davon überzeugt, dass man sich zur Wehr setzen muss, wenn Frauen einseitig auf Rollen festgelegt, diskriminiert oder ausgegrenzt werden. Die Preisträgerin leitete von 1982 bis 1985 das Forschungsinstitut „Frau und Gesellschaft“ in Hannover. Sie wurde 1986 die erste „Frauenministerin“ der Bundesrepublik – eine Erweiterung ihres Zuständigkeitsbereiches, den sie als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit durchgesetzt hatte. Von 1987 bis 2002 vertrat Süssmuth den Wahlkreis Göttingen im Deutschen Bundestag, von 1988 bis 1998 war sie Bundestagspräsidentin.

„Rita Süssmuth hat unermüdlich gekämpft für eine echte Gleichstellung von Frauen und Männern“, sagte Heiner J. Willen, Vorsitzender des Edith-Stein-Kreises. „Sie war ihrer Zeit voraus und konnte viele Reformen, für die sie sich eingesetzt hat, erst im Laufe der Zeit erleben: etwa die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe oder der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung.“ Noch heute eckt die 76-Jährige an, wenn sie sich für eine verbindliche Frauenquote in der Wirtschaft ausspricht, machte Willen deutlich.

Laudatio

In ihre Laudatio ging Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins von der Universität Münster auf das langjährige Wirken Süssmuths ein. Die Preisträgerin sei für viele Menschen ein Vorbild an Zivilcourage, Einsatz für Gerechtigkeit und ebenso selbstbewussten wie sensiblen Umgang mit politischer Macht und Verantwortung. Prof. Dr. Rita Süssmuth dankte für die Ehrung. Die CDU-Politikerin machte deutlich, dass man mit menschlichem Umgang oft mehr gewinnen könne als mit polarisierender Hackerei.

Edith-Stein-Preis geht an Rita Süssmuth

Der Edith-Stein-Preis erinnert an das Wirken der Nonne Edith Stein, die von 1913 bis 1915 in Göttingen lebte, vom Judentum zum Katholizismus konvertierte und 1942 in Auschwitz durch die Nationalsozialisten ermordet wurde. Papst Johannes Paul II. sprach sie 1998 heilig. (bsc)

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