Affäre um abgekupferte Dissertation: 35-Jähriger als Verbandsvorsteher abgewählt

Göttingen: Erst Doktor-Titel weg, nun auch der Job

Göttingen/Lemgo. Der frühere Büroleiter des niedersächsischen Sozialministeriums, Andreas Kasper (CDU), hat nach seinem Doktortitel jetzt auch noch seinen Job verloren. Der Landesverband Lippe hat den 35-jährigen Juristen jetzt als Verbandsvorsteher abgewählt. Kasper hatte dieses Amt erst im Oktober 2008 übernommen.

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Der Verband zog damit die Konsequenzen aus der Plagiatsaffäre. Im vergangenen Jahr war aufgeflogen, dass der hauptamtlicher Vorsteher seine Dissertation aus dem Jahr 2004 zu einem erheblichen Teil aus Fremdtexten zusammengeschustert hatte. Die Universität Göttingen hatte Kasper daraufhin den Doktortitel wieder aberkannt.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen verhängte gegen den Spitzenbeamten einen Strafbefehl über 90 Tagessätze zu je 100 Euro (insgesamt 9000 Euro) wegen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz. Ein Gutachten hatte ergeben, dass sich die Doktorarbeit auf etlichen Seiten als „Flickenteppich aus den Texten anderer Autoren“ darstelle.

Inzwischen ist gegen Kasper ein weiteres Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft Detmold anhängig. Er soll als Autor von zwei Fachbüchern in großem Stil abgeschrieben haben, ohne die Urheberschaft der anderen Autoren kenntlich zu machen.

Trotz dieser belastenden Vorwürfe hatte Kasper, der bis dahin eine Blitzkarriere hingelegt hatte, einen Rücktritt abgelehnt. Die Verbandsversammlung hielt ihn allerdings für untragbar. Einstimmig votierten die Vertreter von CDU, SPD, Grünen und FDP für seine Abwahl. Den Landesverband, der die Wälder, Immobilien, Denkmäler und Kultureinrichtungen des früheren Fürstentums Lippe verwaltet, kommt die Affäre teuer zu stehen: Kasper stehen noch fünf Jahre lang 75 Prozent seiner bisherigen Bezüge von 7200 Euro zu. (pid)

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