Falsches Gauß-Gehirn im Glas

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    • 28.10.13
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Präparate von Gauß und Fuchs vertauscht

Unerwartete Entdeckung: Falsches Gehirn im Glas

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Göttingen. Die über 150 Jahre alten Gehirnpräparate des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (sein Bild war auf dem 10-DM-Schein) und des Göttinger Mediziners Conrad Heinrich Fuchs sind vertauscht worden, und das vermutlich bereits bald nach beider Tod im Jahr 1855.

Verwechslung im Glas: Renate Schweizer arbeitete für ihre Nachforschungen in der Sammlung im Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Uni Göttingen.

© Böttcher-Gajewski/Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie/nh

Verwechslung im Glas: Renate Schweizer arbeitete für ihre Nachforschungen in der Sammlung im Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Uni Göttingen. 

Zu diesem überraschenden Schluss ist Renate Schweizer, Neurowissenschaftlerin an der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, gekommen.

Die zu Forschungszwecken in einer Sammlung der Universitätsmedizin Göttingen archivierten Gehirne hat sie jetzt korrekt identifiziert und im Magnetresonanz-Tomografen mit Experten anderer Fachdisziplinen umfassend dokumentiert.

Die aktuelle Untersuchung der historischen Gehirne, die aus der Sammlung im Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen stammen, haben einen konkreten Anlass: „Was Forscher bisher als Gauß-Gehirn untersucht hatten, war gar nicht sein Gehirn – es gehörte dem Mediziner Fuchs. Die Gehirne der beiden Wissenschaftler sind vor vielen Jahren vertauscht worden und müssen daher neu dokumentiert werden“, so Schweizer. 

Die unerwartete Entdeckung machte die Wissenschaftlerin während Recherchen zu ihrem Forschungsgebiet – der Gehirnregion um die sogenannte Zentralfurche. In den Windungen entlang der Zentralfurche verarbeitet das Gehirn Reize wie Berührungen, Wärme oder Schmerz und steuert Bewegungen. Am Gauß-Gehirn vermutete Renate Schweizer eine seltene anatomische Variation: eine Zweiteilung der Zentralfurche. Sie tritt bei weniger als einem Prozent der Menschen auf.

Auf Magnetresonanztomografie-Bildern des vermeintlichen Gauß-Gehirns aus der Universitätssammlung, die 1998 von Jens Frahm und seinem Team an der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH aufgenommen wurden, hatte Schweizer eine solche Zweiteilung der Zentralfurche entdeckt. Um ihren Befund zu überprüfen, forscht sie in der Primärliteratur nach.

Rudolf Wagner, ein Göttinger Anatom und Freund von Gauß, hatte seinerzeit die Gehirne von Gauß und Fuchs präpariert, untersucht und in Veröffentlichungen von 1860 und 1862 dokumentiert. Doch auf seinen Abbildungen findet Schweizer die zweigeteilte Zentralfurche – anders als erwartet – nicht etwa am Gauß-Gehirn wieder. Stattdessen passen die aktuellen Bilder haargenau auf Wagners Abbildung von Fuchs’ Gehirn.

Gauß - Bilder des Mathematikers

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Schweizers Besuch in der Sammlung im Institut für Ethik und Geschichte der Medizin bestätigt ihren Verdacht: Das Originalgehirn von Gauß befindet sich tatsächlich im Glasgefäß mit der Aufschrift „C. H. Fuchs“. Das Fuchs-Gehirn wiederum ist etikettiert mit „C. F. Gauss“. Die historischen Gehirne haben nach den Untersuchungen wieder ihre wohlverdiente Ruhe in der Universitätssammlung gefunden. Eine Verwechslung ist künftig ausgeschlossen. (bsc)

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