BBS III und Firmen: Bildungsaustausch mit polnischer Schule mit hohem Tempo

Das Foto zeigt die Delegationen aus Göttingen und Oswiecim vor dem Bild: Oswiecim – „Stadt des Friedens“ in der Hochschule vor Ort. Von links: Corinna Oswald-Hänsler, Artur Fobis, Kathrin Bittner-Szaukellis, Wlwira Metér, Margarethe Broska, Prof. Witold-Stankowski, Maria Harberding, Prof. Matthias Gleitze, Ulrich Ellwanger, Malgorzata Klekot, Olaf Feuerstein. Foto: nh

Göttingen. Eine außergewöhnliche Kooperation zwischen Göttingen und Oswiecim - Auschwitz - in Polen läuft zügig an.

Nicht nur Gastronomie

Die Berufsbildenden Schule III und Unternehmen arbeiten mit Schulen, Betrieben und der Universität dort zusammen. Es geht um den Austausch von Wissen, Schülern und Arbeitskräften - nicht nur im Hotel- und Gastronomiegewerbe.

Schnelle Entwicklung

„Wir hätten nie gedacht, dass sich das so schnell entwickelt“, sagt BBS-III-Schulleiterin Maria Harberding. Der Besuch der BBS-Ritterplan-Delegation Ende April in der mit der deutschen Geschichte durch den Nazi-Terror und das Konzentrationslager so schicksalhaft verbundenen Stadt Oswiecim, sollte der Annäherung dienen. Dass am Ende der von einer großen Gastfreundschaft geprägten Drei-Tage-Reise bereits klare Absprachen für eine Zusammenarbeit standen, hat alle erstaunt, selbst BBS-III-Schulvorstand-Mitglied und Unternehmer Olaf Feuerstein. „Es wurden ruckzuck Nägel mit Köpfen gemacht - das ist super, sagt der Gastronom.

Honorarprofessor

Vermittelt hatte den Kontakt der gebürtige Seeburger und familiär mit Göttingen verbundene Dr. Matthias Gleitze, Honorarprofessor an der Staatlichen Hochschule „Rittmeister-Witold-Pilecki“ in Oswiecim, die natürlich eine Anlaufstellte der Besucher aus Göttingen war, ebenso wie die Förderschule „Zentrum für Bildung und Erziehung“ und die Berufsbildende Schule für Wirtschaft und Gastronomie „Powiatowy Zespol Nr.4“.

Türöffner Gleitze

„Matthias Gleitze war der Schlüssel zum Öffnen der Türen“, sagt BBS-III-Schulleiterin Maria Harberding, sich nach dem Beschnuppern, an dem aus Göttingen und Oswiecim auch Lehrerinnen, Dozenten und Vertreter von Hotels und Restaurants vor Ort teilnahmen, über die guten Ergebnisse freut.

Weitere Ziele

Die BBS Ritterplan hat weitere Ziele: „Wir binden die Schüler der Heilerziehungspflege und Sozialpädagogik in die Austausche ein“, berichtet Harberding. Dabei soll auch die gemeinsame, schicksalshafte Historie eine Rolle spielen, die nun in eine zukünftige Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen mündet - die Schüler der BBS III und aus Polen arbeiten daran aktiv mit.

Unterstützung

Unterstützt wird das durch eine dafür prädestinierte Lehrkraft mit polnischen Wurzeln: Margharete Broska, die sich schon jetzt auf die Begleitung der Schüler und des Projektes freut.

Sozialpädagogik

Ebenfalls intensiv eingebunden ist Kathrin Bittner-Szaukellis, zuständig für die Sozialpädagogik an der BBS-Ritterplan. Sie betont auch, dass junge Menschen in Auschwitz viel lernen können, abseits rein fachlicher Dinge - das sei ideal für einen Austausch. „Es ist noch immer ein Gang durch die deutsch-polnische Geschichte, aber das heutige Oswiecim ist weit mehr als das Lager von einst, sondern eine lebendige Stadt.“

Großes Geschenk

Kein Wunder, dass alle Beteiligten die Kooperation als „ein großes Geschenk“ sehen, wie Maria Harberding sagt. Und alle Beteiligten sind schon jetzt gespannt - auf eine wirklich bi-laterale Kooperation, die in nur einem Treffen festgezurrt wurde. (tko)

Praktika für Jugendliche aus der Region in Polen

Auszubildende und Schüler in gastronomischen Berufen und Schulzweigen aus Südniedersachsen sollen in Polen Praktika in Hotels und Restaurants absolvieren können.

„So lernen sie auch die Eigenheiten der polnischen Küche und Betriebe kennen, das ist nur gut“, sagt Harberding. Im Gegenzug kommen polnische Schüler aus der Berufsschule nach Göttingen - können auch in Göttinger Betrieben arbeiten, wie Olaf Feuerstein, der in seinem Hotel „Freizeit In“ bereits polnische Praktikanten eingeplant hat.

Das helfe ihm sogar, kurzfristig Lücken zu füllen, denn wie der Dehoga-Göttingen-Vorsitzende sagt, wächst der Fachkräftemangel. Es wird zudem immer schwieriger, gute Auszubildende zu finden. Auf deutscher Seite können sich übrigens alle Betriebe aus dem Hotel- und Gaststättenbereich aus Göttingen und Umgebung beteiligen.

„Die jungen Leute aus Polen können Erfahrungen sammeln, die sie später hier oder in der Heimat, vielleicht im eigenen Betrieb nutzen können.“ (tko)

Berufsbildende Schulen III mit mehreren Schwerpunkten

Die Berufsbildenden Schule III ist in der Göttinger Innenstadt angesiedelt, am Ritterplan, gleich neben dem Städtischen Museum.

Die Schule gliedert sich in vier Abteilungen mit sieben Schulformen und 34 Bildungsgängen, die aber oft miteinander verknüpft sind. Schwerpunkte sind das Berufsbildende Gymnasium, Ernährung, Hauswirtschaft und Körperpflege, Sozialpädagogik und Sprachförderung. Besonderheit auch: Die BBS Ritterplan hat eine top-ausgestattete Lehrküche und ein Lehr-Restaurant, wo auch regelmäßig Wettbewerbe stattfinden. Schülerzahl: 1700, Lehrkräfte: 110. Weitere Informationen gibt es im Internet. (tko)

www.bbs-ritterplan.de

Von Thomas Kopietz

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