Drängelei an Essensausgabe

Nach Massenschlägerei: Mehr Polizei im Lager Friedland

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Friedland. Etwa 50 Flüchtlinge waren an einer Massenschlägerei im Grenzdurchgangslager Friedland beteiligt. Die Polizei reagiert und stellt nun Beamte für das Lager ab, die täglich vor Ort sind.

Aktualisiert um 16.36 Uhr

Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Sonntag. Die Vorkommnisse kamen allerdings erst zum Ende der Woche an die Öffentlichkeit – durch Berichte von Anwohnern. Zu den Auseinandersetzungen kam es beim Mittagessen am Sonntag. Etwa 400 Flüchtlinge drängten sich gegen 12.50 Uhr vor der Kantine. Etwa 50 hatten offenbar die Befürchtung, nichts mehr zu Essen zu bekommen. Bei ihnen kippte die Stimmung: Daraufhin knickten sie Äste von Bäumen ab. Außerdem wurde mindestens ein Sonnenschirm ergriffen. Es kam zu gegenseitigen Angriffen. Dabei erlitt eine 18-Jährige aus Eritrea eine Platzwunde über dem linken Auge.

Mit Lautsprecherdurchsagen war zuvor versucht worden, die Situation an der Zugangstür zur Kantine zu entschärfen. Eine erste Funkstreifenwagenbesatzung, die gegen 13 Uhr vor Ort war, musste Verstärkung anfordern. Durch die Präsenz weiterer Polizisten beruhigte sich die Situation.

Laut Polizei kam es in den vergangenen Wochen im Grenzdurchgangslager immer wieder zu Drängeleien bei den Essensausgaben. Das führte dazu, dass der Sicherheitsdienst wiederholt die Polizei um Unterstützung bitten musste. Die Polizei hat reagiert: Um die Probleme bei der Ausgabe von Essen, von Bekleidung oder anderen Situation mit vielen Flüchtlingen zu entschärfen wird seit Anfang der Woche ständig ein Einsatzzug mit etwa 25 Beamten der Bereitschaftspolizei auf dem Gelände eingesetzt.

Appell des Lagerleiters

Unterdessen richtete Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer einen Appell an das Innenministerium. Es soll dafür sorgen, dass die Zahl der Flüchtlinge im Lager deutlich verringert wird. 

Flüchtlinge müssen auf Fluren schlafen 

Mehr als 3000 Flüchtlinge werden derzeit im überfüllten Grenzdurchgangslager Friedland betreut – davon etwa 2400 in der Einrichtung selbst. Diese Zahlen nannte Heinrich Hörnschemeyer, der Leiter des Grenzdurchgangslager, in dieser Woche. Normalerweise ist das Lager für maximal 700 bis 900 Menschen ausgelegt. „Die Grenze dessen, was verantwortbar ist, ist jetzt erreicht“, sagte der Lagerchef. Um den Ansturm in der Erstaufnahmeeinrichtung überhaupt bewältigen zu können, sind zwei große Zelte in Friedland aufgestellt. Andere Flüchtlinge müssen auf Fluren übernachten. Die großen Gruppen der Asylbewerber, die aus knapp 20 Ländern stammen, kommen aus dem Irak, aus Syrien, aus Afghanistan sowie aus Eritrea. Weiterhin sind Flüchtlinge aus einem humanitären Aufnahmeprogramm der Bundesregierung sowie Spätaussiedler in Friedland untergebracht. Mit Außenstellen versucht das Lager zurzeit, sich zu entlasten. So wohnen etwa 300 Flüchtlinge in einem ehemaligen Hotel in einem Duderstädter Ortsteil. Weitere 300 Flüchtlinge sind in Turnhalle in Friedland und Rosdorf untergebracht. Nach Rosdorf mussten am Montag Asylbewerber verlegt werden, weil die bisherige Unterkunft in der Turnhalle in Groß Schneen nach dem Unwetter überflutet worden war – wir berichteten. Aber: Die Turnhallen stehen nur bis zum Ende der Ferien Anfang September zur Verfügung, wie jetzt bekannt wurde. Dann sollen sie wieder für den Schulsport genutzt werden. Bis dahin muss eine Lösung für die Flüchtlinge gefunden werden.

Bundesinnenminister besucht Lager Friedland am Dienstag Hoher Besuch im Grenzdurchgangslager Friedland: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (Foto) ist dort am Dienstag, 25. August, zu Gast. Dabei will der CDU-Spitzenpolitiker unter anderem mit Flüchtlingen und Spätaussiedlern über deren Situation ins Gespräch kommen. Nach einem Rundgang über das Lagergelände will der Minister an einen so genannten Wegweiserkurs für Spätaussiedlerkurs teilnehmen. Dort bekommen Zuwanderer unter anderem Informationen zur deutschen Gesellschaftsordnung. Bei seinem Besuch in Friedland wird de Maizière von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) begleitet.

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- Messerattacke im Lager Friedland: Freispruch für Asylbewerber

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