„2030 - Odyssee im Leerraum": Wenn das Land verödet

Was sind die Vorzüge von Osterode?: Götz Lautenbach als Bürgermeister wirbt für seine Stadt, dahinter (von links) Agnes Giese und Eva Maria Hamm (Schauspielschule Kassel). Foto: Heise

Göttingen. Auch gute Ideen für die Zukunft haben die Theorielast nicht durchbrochen beim Theaterstück „2030 - Odyssee im Leerraum". Thema ist der Strukturwandel im ländlichen Raum.

Brauchen wir das wirklich im Theater? Fakten und Zahlen über die Landflucht? Auch gute Ideen für die Zukunft haben die Theorielast nicht durchbrochen beim dokumentarischen Theaterstück über den Strukturwandel im ländlichen Raum. Die Uraufführung „2030 - Odyssee im Leerraum“, hatte am Donnerstag im Jungen Theater (JT) in Göttingen ihre Premiere.

Eine halbe Million Menschen zählte Südniedersachsen im Jahr 2000. 30 Jahre später werden es 100 000 und damit 20 Prozent weniger sein. JT-Intendant und Regisseur Nico Dietrich hat auf einer Recherchereise mit zahlreichen Experten darüber gesprochen, was die Zahlen für die nächste Generation bedeuten: Kulturschaffende, Ehrenamtliche, Demografen und viele mehr stellten ihm verschiedene Wege in eine Zukunft mit weniger Bevölkerung vor.

Mit einer Reise, wie sie Dietrich für das Stück unternahm, werden die Zuschauer ins Stück geleitet: Zum Steigerlied als Zeichen für die Bergmannsregion Harz ziehen sie um das Theater und erhalten schließlich am Hintereingang Einlass. Im quer bestuhlten Theaterraum werben die Orte um neue „Bürger“, Jühnde, Clausthal-Zellerfeld, Seesen, Osterode. Je nachdem, wo die Zuschauer sich setzen, stärken sie vielleicht auch Adelebsen oder St. Andreasberg.

Agnes Giese vom Jungen Theater, Gastschauspieler Götz Lautenbach sowie Eva Maria Hamm und Benjamin Wilke von der Schauspielschule Kassel und die Statisten Jannika Pyttlich, Emma Schissier, Charlotte Weil und Leon Caspari schlüpfen bei der Premiere in die vielen Figuren vom Dorfkumpel bis zum Bürgermeister. Wie eine Moderatorin hält Giese die Fäden. Lautenbach zeigt als Bürgermeister die Vorzüge von Osterode auf. Wilke versucht, mit Seesen zu punkten. Doch sie verraten nicht viel Neues, wenn sie Ideen und Projekte zur Stärkung des ländlichen Raums zitieren. Und viele Worte machen keine starken Bilder. Da hilft es nichts, wenn die Menschen in der „Stadt der beigen Hosen“ - in der Presse wurde Osterode so betitelt - plötzlich in beigen Cardigans auftauchen. Der Landkreis Osterode verzeichnet laut JT schon heute das höchste Durchschnittsalter Deutschlands.

Die aufwändige Recherche fürs Stück wurde im Programm „Trafo - Modelle für Kultur im Wandel“ mit 19 000 Euro von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Mit dem Dramaturgen Lutz Kessler, ehemals am Deutschen Theater, hat Dietrich seine Odyssee entwickelt. Sie malt nicht nur schwarz. Unbestreitbar bleibt der demografische Wandel. Doch es gibt Lösungsansätze.

Die Frage bleibt: Brauchen wir das im Theater? Das Premierenpublikum mit vielen Menschen, die Dietrich auf seiner Reise traf, gab seine klare Antwort mit langanhaltendem Applaus.

Wieder am 20.1., 9.2., 3.3., www.junges-theater.de, Tel. 0551/495015.

(Von Ute Lawrenz)

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