Zwei 26-Jährige gaukelten Online-Shops vor

Duo zockte mehr als 400 Kunden ab: Freiheitsstrafen für Internet-Betrüger

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier fiel am Freitag das Urteil in dem Betrugsprozess. Foto: bsc

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Freitag zwei 26 Jahre alte Männer aus Berlin wegen einer Betrugsserie mit so genannten „Fake-Shops“ zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Gewerbsmäßige Taten 

Der 26-jährige Hauptangeklagte erhielt wegen gewerbsmäßigen Betruges in 23 Fällen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Er hatte seit November 2012 bis zu seiner Festnahme im April 2015 insgesamt 23 Online-Shops eingerichtet, in denen er hochwertige Kaffeeautomaten, Fernsehgeräte, Digitalkameras und andere Elektronikartikel zu Schnäppchenpreisen anbot.

Vorauszahlungen

Tatsächlich verfügte er gar nicht über die Waren. Die Shops dienten nur dazu, Vorauszahlungen von Kaufinteressenten zu kassieren. Mehr als 400 Kunden aus Göttingen, Uslar und zahlreichen anderen Orten ließen sich darauf ein und zahlten vorab. Die bestellte Ware wurde allerdings nie geliefert. Insgesamt wurden die Kunden um fast 170.000 Euro geprellt.

Bewährungsstrafe 

Der 26-jährige Mitangeklagte erhielt wegen Beihilfe zum Betrug in 18 Fällen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Auflage muss er 2400 Euro an die Göttinger Gesellschaft für Straffälligenbetreuung und Bewährungshilfe zahlen.

Absprache zu Beginn 

Das Gericht entsprach mit seinem Urteil im Fall des Hauptangeklagten dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine zwei Monate höhere Freiheitstrafe gefordert. Beim Mitangeklagten folgte das Gericht dagegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft und nicht der Verteidigung, die eine um zwei Monate niedrigere Strafe gefordert hatte. Zu Beginn des Prozesses in der vergangenen Woche hatte es eine verfahrensabkürzende Absprache zwischen den Beteiligten gegeben. Beide Angeklagte legten ein umfassendes Geständnis ab, das sich strafmildernd auswirkte.

Finanzierung der Spielsucht 

Die Angeklagten hätten dem Gericht die Urteilsfindung leicht gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Carsten Schindler. Der Hauptangeklagte hatte als Tatmotiv angegeben, dass er Geld zur Finanzierung seiner Spielsucht benötigt habe.

Gute Arbeit der Ermittler 

Sowohl das Gericht als auch die Verteidigung lobten die Arbeit der Ermittler. Diese hätten sehr engagiert und gründlich gearbeitet. Der 26-jährige Hauptangeklagte, der nach seiner Festnahme sechs Wochen in Untersuchungshaft gesessen hatte, bedankte sich sogar bei der Staatsanwaltschaft und der Polizei.

Therapie und Ausbildung 

Mit seiner Verhaftung hätten sie ihn „aus dem schwarzen Loch rausgeholt“, in das er durch seine Spielsucht geraten sei. Dies sei seine Rettung gewesen. Nach Angaben seines Verteidigers hat er inzwischen eine Therapie gemacht und eine Ausbildung begonnen.

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