Laut Prof. Dr. Irene Schneider kommt eine Absage nicht in Frage

Antisemitismus-Vorwurf: Palästina-Reihe an Uni sorgt für Diskussion

Göttingen. Ein Fachschaftsrat der sozialwissenschaftlichen Fakultät und der Allgemeine Studierendenausschuss fordern die Absage der Vortragsreihe zum Palästina-Konflikt.

Der Grund: Dort werde antisemitisches Gedankengut verbreitet.

Die Kritik entzündet sich unter anderem an den Referenten. So werde im Vortrag von Prof. Dr. Rolf Verleger am 24. Januar beispielsweise der „antisemitisch motivierte Terror der Hamas gegen die israelische Zivilbevölkerung als Notwehr verharmlost, die israelische Gegenwehr jedoch als brutale und unverhältnismäßige Aggression darstellt“, heißt es einer Pressemitteilung des AStA.

Start am 1. November

Die Vortragsreihe „Naher Frieden – Ferner Frieden“ beginnt laut Pressemitteilung der Uni am Dienstag, 1. November, um 17 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Zentrum (KWZ), Heinrich-Düker-Weg 14, mit der Eröffnung der Wanderausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“. Die Schau wurde vom Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ erarbeitet. Sie ist vom 1. bis 17. November im KWZ und vom 19. bis 30. November im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) zu sehen.

„Ich kann die Aufregung um die Ausstellung und die Vorträge nicht verstehen“, sagt Prof. Dr. Irene Schneider, die die Vortragsreihe samt Ausstellung mit Richter am Landgericht und Strafrechtler Prof. Dr. Kai Ambos konzipiert hat. Mit der Reihe werde ein spezieller Aspekt der Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts beleuchtet. „Für mich ist der Antisemitismusvorwurf eine starke Keule, die zurückweise“, sagt Schneider.

Die Ausstellung ist aus Sicht der Professorin keinesfalls antisemitisch im Sinne einer Verunglimpfung des jüdischen Volkes. Außerdem bestreite sie nicht das Existenzrecht Israels, stellt Schneider klar. Auch bei den Referenten sei kein Antisemitismus zu erkennen.

Einladung zur Diskussion

Die Professorin lädt stattdessen Kritiker der Reihe ein, an den Vorträgen teilzunehmen und in der Diskussion Nachfragen zu stellen. Sie weist zudem auf ein Gerichturteil aus Freiburg hin. Darin wird festgestellt, dass die Inhalte der Ausstellung, die jetzt in Göttingen gezeigt wird, durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind. Deshalb komme auch eine Absage der Reihe aus Sicht von Schneider nicht in Frage.

Weitere Informationen finden Sie auf www.uni-goettingen.de/de/24588.html

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