Staatsanwaltschaft: Kein Ermittlungsverfahren

Überraschende Entscheidung: Atomkraftwerk Grohnde wieder angefahren

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Meiler wird wieder angefahren: Nach den Reparaturen und der Prüfung durch Sachverständige und Staatsanwaltschaft Hannover hat die Atomaufsichtsbehörde den Start des Atomkraftwerks Grohne an der Weser genehmigt. Foto: dpa

Göttingen/Grohnde. Die Entscheidung kam überraschend: Am späten Freitagabend hat die Atomaufsichtsbehörde in Niedersachsen dem Betreiber des Atomkraftwerks Grohnde bei Hameln, EON, die Erlaubnis zum Anfahren des Meilers erteilt. Das AKW ist seit dem 25. April abgeschaltet.

Grund war zunächst ein Generatorschaden und die Reparatur im nichtnuklearen Teil der Anlage. Gleichzeitig wurden Brennelemente ausgetauscht. Dabei waren gebrochene Metallfedern an neuen von 132 Drosselkörpern festgestellt worden. Sie regeln die Kühlung der Brennelemente (wir berichteten).

Auch stand der Vorwurf unsachgemäßer Reparaturen im Raum. Deshalb hatte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) Fragen an den Betreiber gerichtet und die Pfusch-Vorwürfe in dieser Woche zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft Hannover weitergegeben.

Jetzt hat EON die Fragen der Atomaufsicht zu den umstrittenen Reparaturen beantwortet und nachgewiesen, dass alle Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt und dokumentiert wurden.

Auch der Technische Überwachungsverein (TÜV) hat bestätigt, dass alle Reparaturen und qualitätssichernden Maßnahmen sachgerecht ausgeführt wurden, heißt es in einer Pressmitteilung des Umweltministeriums in Hannover von Samstagmorgen.

Der Betriebsleiter des AKW Grohnde habe zudem in einer eidesstattlichen Versicherung die Vorwürfe bezüglich unzulässiger Reparaturen zurückgewiesen. Die Atomaufsicht hatte die Erklärungen und alle Dokumentationen eingehend geprüft.

Zudem gab es im Verlauf des Freitags ein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft Hannover. Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft sieht keinen Anfangsverdacht und wird daher auch kein Ermittlungsverfahren einleiten.

Stefan Wenzel, wehrt sich in der Pressemitteilung auch gegen die von Atomkraftgegnern geäußerte Kritik: „Die meinem Ministerium und mir unterstellten Vorwürfe der politischen Willkür und des Rechtsbruchs weise ich auf das Entschiedenste zurück. Unsere Vorgehensweise und die veranlassten Maßnahmen waren streng nach Recht und Gesetz ausgerichtet.“ Für ihn stehe der Schutz der Bevölkerung an erster Stelle.

Grundsätzlich aber sei man in einer schwierigen Phase, weil die Atomkraftwerke an das Ende der Laufzeiten kämen, die Sicherheit aber bis zum letzten Tag gewährleistet sein müsse. Das AKW Grohnde soll bis 2022 laufen und ist seit 1984 in Betrieb.

Die Landkreise Northeim, Holzminden und Göttingen – und die Stadt Kassel – liegen bei einem Störfall mit radioaktivem Austritt in der 80-Kilometer-Gefahrenzone. Foto: Kopietz

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