Auch in 25 Jahren soll es noch den Mittagstisch St. Michael geben

Diskussion über den Mittagstisch St. Michael: Stephan Klasen, Clemens Freiherr von Wendt, Sandra Bradt, Hubert Merkel, Georg Bartelt, Thomas Oppermann und Friedhelm Hengsbach (von links). Foto: Lawrenz

Göttingen. Auch in 25 Jahren soll es den Göttinger Mittagstisch Sankt Michael noch geben. Das war ein Fazit des Festkolloquiums zu seinem 25-jährigen Bestehen im Anschluss an ein Forum zur Armenvorsorge.

„Der Mittagstisch – beschämt er eine Gesellschaft, die Armut erzeugt?“ – Dieser Frage stellte sich Referent Friedhelm Hengsbach. „Niemand ist am Mittagstisch auf die Welt gekommen“, sagte der Jesuitenpater im Ratssaal des Neuen Rathauses. Immer größer sei die Schere zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahren geworden. „Die Welt wird dadurch nicht anders / Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt / Aber einige Männer haben ein Nachtlager“ zitierte der Gesellschaftsethiker Bertolt Brechts Gedicht „Das Nachtlager“ zum Abschluss und legte mit seinen Worten den Grundstein für eine Podiumsdiskussion.

Mit dem Begriff der „religiösen Musikalität“ bei den Helfern hatte Hengsbach eine Saite bei Georg Bartelt angeschlagen. Der Schulleiter des Göttinger Hainberg-Gymnasiums erzählte, wie er aus dem Mangel, praktisch tätig zu sein, vor 13 Jahren zum Mittagstisch stieß und dort sogar das Kochen erlernte. Lebhaft und kontrovers diskutierte die Runde mit dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, dem Professor für Entwicklungsökonomik an der Universität Göttingen, Stephan Klasen, sowie Clemens Freiherr von Wendt aus dem Beirat unter Moderation von Hubert Merkel vom Förderverein Mittagstisch.

„In der Hoffnung, dass wir den Mittagstisch in 25 Jahren nicht mehr brauchen“, hatte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler zum Geburtstag gratuliert. Diesem Wunsch widersprach Sandra Bradt, die dort isst und außerdem mithilft. Für sie sei der Mittagstisch auch wichtig als Ort der Begegnung für die sonst Ausgegrenzten.

Mit vielen Denkanstößen gingen die Zuhörer nach zwei Stunden nach Hause oder schlossen sich dem Podium zu einem gemeinsamen Ausklang an.

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