Aufsichtsrat beurlaubt Eberwien als Göttinger VHS-Chef

Da strahlen noch alle: VHS-Geschäftsführer Thomas Eberwien (Mitte), hier bei der Vorstellung des aktuellen Kursprogramms Herbst/Winter am 10. August, wurde jetzt beurlaubt. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Landrat Bernhard Reuter (beide SPD) dürften darüber nicht erfreut sein. Foto: zhp/nh

Göttingen. Thomas Eberwien ist nicht mehr Geschäftsführer der VHS Göttingen-Osterode. Er wurde nach der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates am Montagabend abberufen.

In einer Mitteilung vom späten Abend des Gremiums wird die Entscheidung damit begründet, dass sie „zum Schutz und um Schaden von allen Beteiligten abzuwenden“ gefallen sei. Das sei ein vorläufiger Beschluss. Als Interimsgeschäftsführer wurde Rüdiger Rohrig einstimmig bestellt.

Aktualisiert um 16.30 Uhr

Zunächst hatten die Aufsichtsratsmitglieder die Zwischenberichte des beauftragten Wirtschaftsprüfers Roland Haever (Quattek & Partner, Göttingen) sowie des beauftragten Rechtsanwaltes Dr. Alexander Schneehain (sjs-Anwälte, Göttingen) entgegen genommen.

Darüberhinaus wurden den betroffenen Mitarbeiterinnen und einem Betriebsratsmitglied die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben.

Die Beauftragten werden in ihren Prüfungen fortfahren und abschließend dem Aufsichtsrat berichten.

Der SPD-Stadtverband Göttingen hält die Entscheidung des Aufsichtsrates als zwangsläufig. Vorsitzender Christoph Lehmann kritisiert in einer Stellungnahme über die Vorwürfe der Unkorrektheiten bei den Kreditkartenabrechungen auch die Arbeit des nun abberufenen VHS-Geschäftsführers: „In einem kommunalen Unternehmen ist ein Geschäftsführer untragbar, der seine Mitarbeiter so behandelt. Jenseits einer strafrechtlichen Würdigung dieser Vorgänge ist es nicht hinnehmbar, wenn ein Geschäftsführer eine ordnungsgemäße Buchführung hintertreibt, indem er Belege nicht vorlegt.“

Lehmann erwartet, dass die Ergebnisse der weiterlaufenden Prüfungen „unverzüglich und transparent zu arbeitsgerichtlichen Konsequenzen führen.“

In einer Stellungnahme begrüßt Jon Döring für die Bürgerinitiative „Für Osterode“ den Beschluss. Die BI hatte sich mehrfach kritisch mit der Berufung von Eberwien zum Leiter der 2015 fusionierten Volkshochschulen Göttingen und Osterode geäußert. Auch aufgrund der beruflichen Vorgeschichte Eberwiens und einer nach Meinung der BI getroffenen Hinterzimmer-Entscheidung für ihn und gegen andere Kandidaten.

Landrat Bernhard Reuter hatte zur Verkündung im Januar gegenüber der HNA gesagt: „Mit Thomas Eberwien haben wir genau den richtigen Mann für die Aufgabe gewinnen können.“ Er vereine „erwachsenbildnerische Erfahrung mit ausgewiesenen Managementqualitäten“. Worte, die nun einen ganz anderen Klang bekommen haben.

Die CDU/FDP-Gruppe im Stadtrat beklagt derweil die Art und Weise, „wie eine Woche vor der Wahl massive Vorwürfe gegen den Chef der VHS öffentlich gemacht worden sind“. Durch die vorschnelle Forderung von Tom Wedrins (SPD) nach fristloser Kündigung enstünde der Verdacht, dass unter Missachtung der Unschuldsvermutzung ein „ein politisches Personalsüppchen angerührt wird“.

Gruppenvorsitzender Dr. Hans-Georg Scherer fragt suggestiv: „Wer hat hier welches Interesse, dass Vorgänge, die ins Jahr 2015 zurückreichen und die dem Aufsichtsrat seit 23. August diesen Jahres bekannt waren, nun am 3. September in der Tagespresse auftauchen?“ Eine abschließende Faktenprüfung hätte laut Scherer Beschlüssen vorausgehen müssen.

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