Vernetzung von Medizin und Robotik

Bernstein-Forschungszentrum in Göttingen: Fühlende Prothese und fitte Nervenzellen

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Beeindruckt: Die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Klajic’, schaute gebannt zu, wie Dr. Meike Schweisfurth vom Bernstein-Zentrum und Jörg Othmer die fühlende Prothese vorstellten. Schweisfurth arbeitet auch an der Konfiguration von Schnittstellen zwischen Prothesen und ihren Trägern.

Göttingen. Das Bernstein-Zentrum in Göttingen kennen nicht viele. Die Forschungseinrichtung am Max-Planck-Institut besteht seit zehn Jahren. Nun wurde die Arbeit bei einem Festakt in der Paulinerkirche vorgestellt: Die Vernetzung von Medizin und Robotik.

Wann sieht eine Wissenschaftsministerin schon einmal einen sechsbeinigen Laufroboter namens AMOS? Gabriele Heinen-Klajic’ hatte bei einem Besuch in der Paulinerkirche dieses Glück.

Das Bernstein-Zentrum

Das Bernstein Center for Computational Neuroscience (BCCN) – kurz: Bernstein-Zentrum – hatte geladen. In der Einrichtung werden computergestützte Neurowissenschaften betrieben, vor allem – aber nicht nur – in der Grundlagenforschung.

Wie das Gehirn arbeitet

Über das Bernstein-Zentrum sind bereits 30 Millionen Euro Fördergeld vom Bund in die vernetzte Forschung geflossen, die sich schwerpunktmäßig auch um die Frage dreht, wie im Gehirn unterschiedliche Systeme und Strukturen, Hirngebiete, Nervenzellen und Moleküle zusammenarbeiten, um Leistungen zu vollbringen. Die Forscher versuchen auch zu ergründen, wie das Gehirn Bewegungen plant.

Physik und Mathematik

Welch gewaltige Aufgabe sich die Forscher angenommen haben, veranschaulichte Prof. Fred Wolf: 100.000 Nervenzellen ballen sich in einem Kubikmillimeter der Großhirnrinde, dem Teil des Gehirns, mit dem der Mensch denkt. Das Zusammenspiel der Zellen wollen die Bernstein-Zentrum-Forscher entschlüsseln – mit Hilfe von mathematischen Modellen und Erkenntnissen der theoretischen Physik.

Prothesen und Roboter

Das Schöne: Diese komplizierte, oft abstrakte Forschung bringt ganz plastische Ergebnisse hervor – im medizinischen Bereich wie in der Robotik und bei der Prothesen-Entwicklung. Jörg Othmer profitiert davon, er trägt eine intelligente Arm-Prothese, die von Ottobock in Duderstadt gefertigt wurde. Die Prothese hat es in sich: Sie vermittelt dem Träger das Gefühl dafür, wenn er etwas in der Hand hat. Herkömmliche Prothesen konnten zwar Muskelsignale aufnehmen und reagieren, vermittelten aber kein Gefühl als Rückmeldung.

Neues Hör-Implantat

Eine weitere medizinische Geräterevolution kündigt sich an: Der Leibnizpreisträger Tobias Moser von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) forscht auch im BCCN und sprach davon, dass die Weiterentwicklung des Cochlea-Implantats, einer Hör-Prothese, möglich sei.

Fitness der Nervenzellen

Geforscht wird im BCCN auch an der Fitness der Nervenzellen. Sie könnten durch Bewegung und auch soziale Kontakte jung bleiben und helfen, Schlaganfälle besser meistern zu können, wie Prof. Sigrid Löwel berichtete.

Ministerin Gabriele Heinen-Klajic’ war begeistert: über die Forschungsarbeiten, die Kooperation der Einrichtungen in Göttingen inklusive MPI für Dynamik/Selbstorganisation und BCCN – sowie natürlich vom Auftritt des sechsbeinigen Laufroboters AMOS.

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