Betrugsvorwurf: Handwerker nach Korruptionsfall erneut vor Göttinger Gericht

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Otto Bock in Duderstadt: Das Unternehmen ist der größte Arbeitgeber in der Stadt.

Göttingen/Bad Lautenberg/Duderstadt. Ein Handwerker aus Bad Lauterberg, der vor einigen Jahren bereits in den großen Betrugs- und Korruptionsfall beim Duderstädter Orthopädietechnik-Unternehmen Otto Bock verwickelt gewesen ist, muss sich derzeit erneut vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hat den 42-Jährigen wegen Vorenthaltens von Arbeitsentgelt und Betruges angeklagt. Nachdem die Kammer am vorigen Prozesstag signalisiert hatte, dass aufgrund seiner Vorbelastungen eine Verständigung auf eine Bewährungsstrafe wohl eher nicht in Betracht komme, gab es jetzt eine neue Entwicklung: Einer der beiden Verteidiger legte ein ärztliches Attest vor, wonach sein Mandant bis Ende des Jahres verhandlungsunfähig sei.

Untersuchung beim Arzt

Da die Bescheinigung allerdings keine näheren Angaben enthält, ordnete das Gericht eine amtsärztliche Untersuchung an. Diese soll klären, ob der Angeklagte in der Lage ist, am Prozess teilzunehmen.

Erster Prozess

Vor vier Jahren hatte das Landgericht Göttingen gegenüber dem Handwerker noch Milde walten lassen. Die Kammer verurteilte ihn damals wegen Beihilfe zur Untreue in 22 Fällen zu einer eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte hatte als Inhaber eines Fliesenleger-Fachgeschäfts im thüringischen Eichsfeld eineinhalb Jahre lang mit überhöhten und frei erfundenen Rechnungen unrechtmäßig mehr als eine Million Euro vom Orthopädie-Weltmarktführer Otto Bock kassiert. Das Gericht verpflichtete ihn damals dazu, den Schaden wieder gut zu machen und der Firma den Millionenbetrag zurückzuzahlen.

Während der Bewährung

Zu den jetzt angeklagten Fällen soll es während der laufenden Bewährungszeit des 42-Jährigen gekommen sein. Laut Anklage soll er es als faktischer Geschäftsführer einer Handwerksfirma unterlassen haben, sieben bei ihm beschäftigte Arbeitnehmer bei der Sozialversicherung zu melden, so dass dieser insgesamt 12 000 Euro an Sozialbeiträgen vorenthalten wurden. Nachdem seine Firma zahlungsunfähig geworden war, soll er es unterlassen haben, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Fortsetzung

Stattdessen habe er noch er einen Auftrag zur Lieferung von Sanitärgegenständen samt Installation an eine andere Firma vergeben, obwohl er gewusst habe, dass er die Rechnung aufgrund der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit nicht werde bezahlen können. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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