Biografisches und erfundenes Material wird in Szene gesetzt

Boat People Projekt erarbeitet gemeinsam mit Flüchtlingen Theaterprojekte

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Stellen ihre neuen Projekte vor: (von links) Franziska Aeschlimann, Reimar de la Chevallerie, Luise Rist, Hans Kaul und Nina de la Chevallerie vom Boat People Projekt Göttingen.

Göttingen. Gibt es das? Ein „Zuviel des Guten" bei der Flüchtlingshilfe? Mit diesen und anderen Themen befasst sich das Ensemble des Göttinger Boat People Projekts in der neuen Spielzeit.

Früher speziell - heute Experten: Bereits seit 2009 behandelt das Freie Theater „Boat People Projekt“ in Göttingen in seinen Stücken Themen wie Flucht und Migration. Für die neuen Produktionen gehen die Künstler noch einen Schritt weiter und arbeiten gemeinsam mit Flüchtlingen.

Denn seit zehn Monaten ist das Theater in dem ehemaligen Institut für wissenschaftlichen Film (IWF) untergebracht, das zeitgleich auch als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Mit 200 geflüchtete Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern arbeitet und produziert das Theaterteam Tür an Tür und probt das Zusammenleben und Zusammenarbeiten.

Arbeit mit Flüchtlingen

„Unser Weg entsteht mit denen, die ihn mit uns gehen“, erklärt Regisseurin Nina de la Chevallerie. Denn die Künstler, mit denen hier gearbeitet, wird, sind insbesondere Menschen aus Kriegsgebieten, deren Ängste und Erfahrungen die Proben begleiten und aufwühlen. Auch Workshops zu verschiedenen Schwerpunkten werden angeboten, in denen das Biografische und Erfundene als Material verwendet und in Szene gesetzt wird.

Dennoch habe man sich das Ziel gesetzt, zu politische Themen außen vor zu lassen. Denn so gut die Zusammenarbeit mit den Teilnehmern auch läuft, es herrsche immer auch eine gewisse „Fragilität der Stärke“, fügt Theaterautorin und Co-Regisseurin Luise Rist hinzu. Die Konflikte der großen Welt, seien natürlich auch hier in der kleinen Welt zu finden. Man könne die Gefahr, dass es zu Streitigkeiten komme nicht klein reden, so Rist. Aber man übernehme auch nicht die Arbeit von Sozialarbeitern, sondern mache Kunst.

Theater über den IS

„Und Kunst und Theater war schließlich schon immer kompliziert“, ergänzt Reimar de la Chevallerie. Regisseur des neuen Theaterstücks für Jugendliche „Brenne!“, das sich mit der Propaganda des Islamischen Staats (IS) und dessen Wirkung auf Jugendliche auseinandersetzt. Uraufführung: 8. Dezember, 19.30 Uhr.

Stück über Grenzerfahrung

In dem weiteren neue Inszenierung ist „Hilfe! - Ein Stück über Grenzwerte“ zeigt das Boat People Projekt mithilfe der Autorin und Journalistin Sophie Diesselhorst „wie weltoffen betroffen und besoffen“ man sich in Grenzgebieten begegnen kann. Uraufführung: 24. September, 19.30 Uhr.

Weitere Angebote und Informationen zu den Stücken gibt es hier.

Hintergrund:

Theaterpädagogische Angebote für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung In Kooperation mit den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen, der musa, dem Hainberg Gymnasium und der IGS Bovenden zeigt das Boat People Projekt am 6. Mai mit „Lotario: Beyound Doubt“ eine Musiktheaterproduktion mit Jugendlichen. Teilnahme ist noch möglich. Das erste Infotreffen ist am Montag, 26. September um 17 Uhr im Theater des ehemaligen IWF (Nonnenstieg 72). 

Seit März wird mit „Move!“ unter der Leitung von Franziska Aeschlimann Tanz- und Bewegung für Frauen und Mädchen mit und ohne Fluchterfahrung angeboten. 

Auch ein Ferienkurs im Bereich Theater und Film für Kinder zwischen 8 bis 13 Jahren wird vom 3. bis 7. Oktober, täglich von 10 bis 16 Uhr angeboten. Das Infotreffen hierfür findet am 1. Oktober um 12 Uhr statt. 

Ab November wird es donnerstags, ab 19.30 Uhr einen Film-Workshop für Erwachsene geben unter der Leitung des syrischen Schauspielers Rzgar Khalil. Ebenfalls ab November wird es Filmabende mit Betreuung für Kinder und Jugendliche geben, für die das Goethe-Institut 15 Koffer mit deutschen Filmen zur Verfügung stellt. Arabisch untertitelt. Im Juni 2017 werden auf einer Offenen Bühne die Ergebnisse der Workshops präsentiert.

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