Kanadische Band spielte in Göttingen

Bombast-Rock von Saga reißt 2000 im Kaiser-Wilhelm-Park mit

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Kraftvoll wie einst: Michael Sadler, Sänger und Multiinstrumentalist von Saga, beim KWP-Open-Air in Göttingen. 

Göttingen. Konzerte mit älteren Rockstars sind für die dann meist älteren Besucher eine Zeitreise. 

Saga entführte sie am Samstag bei ihrem Auftritt im Kaiser-Wilhelm-Park (KWP) in eine solche – und wurde begeistert gefeiert. 

Hannover – irgendwann Anfang der Achtziger. Saga feiert mit ihrem Keyboard-lastigen Bombastrock Riesenerfolge. Der Auftritt in einer hässlichen Halle ist souverän, sozusagen perfekt.

Göttingen, August 2016, circa unfassbare 35 Jahre später. Vieles ist noch digitaler, vor allem die enormen Lichteffekte. Der Sound aber ist derselbe wie damals in der Eilenriedehalle. Nein: Er ist noch satter, klarer und auf den Punkt gespielt. Am Ende rast das Publikum – wie damals in Hannover.

Ist die Zeit stehen geblieben? Nein! Die Männer um den immer noch charismatischen wie stimmgewaltigen Sänger Michael Sadler – Jahrgang 1954 – sind älter geworden. Sichtbar. Sie tragen gar keine Haare mehr oder weiter trotzig-stilecht die – ergrauten – Dauerwellen-Matten Dazwischen gibt es keine Frisuren.

Doch Ian Crichton (Gitarre), Mike Thorne (Schlagzeug), Jim Crichton (Bass, Keyboard) und Jim Gilmour (Keyboard) sind neben Sadler, der auch das Keyboard und den Bass spielt, noch bessere Musiker geworden.

Alles passt: Die Übergänge, die Einsätze, die Soli, und der typische Saga-Sound. Der knüpft an den Progressive-Rock der 70er-Jahre an, war aber eingängiger als der von Emerson, Lake & Palmer oder Yes. Das kommt an in Deutschland. Damals wie heute.

Mehr als acht Millionen Tonträger haben die Kanadier von Saga verkauft – manche davon dürften in den Schränken der 2000 Leute stehen, die im KWP am oft textsicher mitsingen oder sich dem von acht Keyboards, sattem Bass und schreiender Gitarre getragenen Bombastsoundgewitter mitschwingend oder tanzend hingeben. Getreu dem Song: „No one can stop you now, tonight your’re on the loose...“

Michal Sadler ist immer noch der Mittelpunkt von Saga. Posen, hingebungsvolle Bewegungen bestimmen Mimik und Gestik. Aber Sadler lacht auch, spielt die Air-Gitarre. Das zeigt: der (alte) Mann hat Spaß mit seinen (alten) Kumpels und dem (alten) Saga-Sound. Die Fans wollen aber auch nix anderes. Experimente, Abdriften in andere Musikstile, das soll nicht sein.

„Was kann ich für Dich tun?“, fragt Sadler mit einem beachtlichen Deutsch ins Publikum. Die Kombo stimmt „Wind him up“ an – vielleicht das beste, weil auch abwechslungsreichste Stück der Band.

Bombastrock von Saga reißt 2000 mit

Der Wald kocht. Auch am Ende nach einem losgelassenen „Humble Stance“. Sadler zeigt dabei, dass er auch ein veritabler Bassist ist.

Ein „sagahafter“ Abend war es, wie Moderator Christoph Huber bestens zusammenfasst. 2000 Leute holen die Band noch mal zurück auf die Bühne. Und feiert die Helden von einst – und heute – noch einmal.

Aber: Es hat sich doch etwas verändert: Der mystisch-bombastische Rock der 70er- und 80er wurde stets begleitet von „Rauchschwaden“ im Publikum – davon sind am Samstag deutlich weniger zu sehen. Die Zeitreisenden sind älter geworden und vernünftiger. Aber sie sind nicht weniger begeisterungsfähig. Viele fanden das Konzert im Wald einfach nur sagahaft.

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