Diskussion über Bestseller "Blackout": Für den Ernstfall vorsorgen

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Stellten sich dem Thema Katastrophenfall: (von links) Dr. Franz Schenk (Niedersächsisches Umweltministerium), Thomas Weber (EAM), Christel Wemheuer (Kreisrätin und Energieagentur), Rainer Bolli (Gebäudemanagement Uni), Dr. Gerd Rappenecker (Stadtwerke) und Steffen Groth (Schauspieler).

Göttingen. Sind wir für eine Welt ohne Energie gerüstet? Dieser Frage widmete sich am Donnerstag die Lesung und Diskussion zu Marc Elsbergs Techno-Thriller „Blackout“ im Alten Rathaus.

Vor einem gebannten Publikum zeichnete der Schauspieler Steffen Groth mit Auszügen aus dem Thriller ein erschreckendes Bild einer hochtechnisierten Gesellschaft, die durch einen Terroranschlag in einen Kampf ums nackte Überleben verfällt.

Ein Stromausfall lässt ganz Europa in der Dunkelheit versinken. Die Auswirkungen sind lebensbedrohlich. Nicht nur Licht, Heizung und Wasserversorgung sind betroffen, auch die komplette Infrastruktur liegt brach. Kühe verenden mit zum Bersten geschwollenen Eutern unter Qualen in Megaställen, weil sie nicht gemolken werden können, Laster bleiben liegen, weil sie ohne elektrische Pumpen nicht betankt werden können.

Utopie oder Realszenario

Was auf den ersten Blick als düstere Utopie des Romanautoren Elsberg erscheint, ist für EAM-Geschäftsführer Thomas Weber, Dr. Franz Schenk vom Niedersächsischen Umweltministerium und Dr. Gerd Rappenecker von den Göttinger Stadtwerken durchaus ein Szenario, das eintreffen könnte. So sei jedes IT-System prinzipiell angreifbar, betonte Schenk. Allerdings gebe es auch genügend Sicherheitssysteme, die Hersteller müssten sie nur als essentielle Qualitätsmerkmale erkennen. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber auch dann nicht, erklärte Rappencker. Dass ein derartiger Stromausfall auch in der Uni-Stadt für Chaos sorgen könne, hielt er jedoch für unwahrscheinlich. So werde bereits seit Jahren über ein Konzept für „Blackouts“ nachgedacht.

Notstromaggregate

Besonders sicher ist im Katastrophenfall die Uni, erklärte Rainer Bolli, Leiter des Gebäudemanagments der Universität. So gebe es bereits seit Jahren Vorkehrungen, die 230 Gebäude und das Uniklinikum mittels einer Gasturbine und Notstromaggregaten mit Energie versorgen zu können. Um noch autarker werden zu können, gebe es Pläne, um mit Geothermie-Kraftwerken die natürlich vorhandene Erdwärme in Göttingen zu nutzen.

Für Katastrophe rüsten

Sich über Katatstrophenszenarien frühzeitig Gedanken zu machen, hält auch die erste Kreisrätin Christel Wemheuer nicht für übertrieben. Allerdings dürfe dies nicht in dem Maße geschehen, wie die Bundesregierung es im Sommer getan hatte, als sie zu Hamsterkäufen geraten hatte.

Stattdessen riet Wemheuer, zu überlegen, ob der eigene Haushalt für eine Notversorgung gerüstet ist. „Das müssen keine großen Dinge sein“, betonte sie. „Bereits einfache Dinge wie ein manuelles Kurbelradio können helfen, um im Notfall nicht vollständig von der Welt abgeschnitten zu sein.“

Bestseller: Marc Elsberg, Blackout, Taschenbuch, Blanvalet Taschenbuch Verlag, 800 Seiten, ISBN 978-3-442-38029-9, 10,99 Euro.

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