WDR-Doku

Erneut Missbrauchsvorwurf gegen Bistum Hildesheim

Unter Druck: Der katholische Bischof Norbert Trelle aus Hildesheim gestand Ende 2015 ein, dass es Missbrauchsfälle gegeben habe. Das Bistum wolle aber nichts vertuschen. Foto: dpa

Göttingen/Hildesheim. Neue Vorwürfe von sexuellem Missbrauch gegen einen ehemaligen Pfarrer des katholischen Bistums Hildesheim: Nach Recherchen des Westdeutschen Rundfunks (WDR) soll es einen weiteren mutmaßlichen Missbrauchsfall gegeben haben.

Eine 39-jährige Frau habe sich gemeldet und von sexuellen Übergriffen durch den inzwischen suspendierten Priester Peter R. in ihrer Jugend berichtet.

Kürzlich hatte eine 20-jährige Frau aus dem Bistum Hildesheim gemeldet, der ehemalige Pfarrer Peter R. habe sie bedrängt. Jetzt meldete sich die Mutter der 20-Jährigen mit ähnlichen Vorwürfen. Die junge Frau hatte vom Bistum Geld als Anerkennung des Leids erhalten.

Der WDR berichtet heute abend ab 22.10 Uhr in der Sendung mit dem Titel „Richter Gottes“, auch über den Fall der 39-jährigen Mutter, die nach eigener Aussage keinen Kontakt mit dem Bistum Hildesheim hatte, das aber von ihrem Fall wüsste.

Ein Bistumssprecher sagte: Man habe bislang noch keinen Kontakt zu der Frau aufgenommen. Den Hinweis auf den Fall der Mutter habe das Bistum Anfang Januar 2016 an die Staatsanwaltschaft Berlin zur Prüfung weitergeleitet, ebenso die nun konkretisierten Vorwürfe der Frau.

Der Priester Peter R. gilt als einer der Haupttäter im Missbrauchsskandal am Berliner Gymnasium Canisius-Kolleg, der im Januar 2010 bekanntwurde. Seine dortigen Taten aus den 1970er und 80er Jahren sind aber inzwischen verjährt. Später arbeitete er rund 20 Jahre lang im Bistum Hildesheim. Die Tochter hatte sich 2010 mit einer Lehrerin an das Bistum gewandt und berichtet, der Pfarrer habe sie bei einem Besuch in Berlin sexuell bedrängt. Sorgeberechtigt waren damals die Großeltern, die aber nicht sofort informiert wurden.

Der Fall der heute 20-Jährigen hatte bei Bekanntwerden Ende 2015 für Schlagzeilen gesorgt, da das Bistum Hildesheim zunächst keinen Hinweis auf einen Missbrauch gesehen hatte.

Das Mädchen hatte sich im März 2010 als 14-Jährige den Verantwortlichen des Bistums anvertraut. Diese schalteten erst mehrere Monate später die Staatsanwaltschaft ein.

Nach Kritik und Rücktrittsforderungen gestand der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle im vergangenen Dezember Fehler ein, wies Vertuschungsvorwürfe aber zurück.

Nach Angaben des NDR soll das Bistum erstmals im März 2010 auch einen Hinweis im Fall der Mutter der 20-Jährigen erhalten haben, von denen die Tochter nichts wusste.

Im Zuge der jüngsten Diskussion habe das Bistum vor kurzem auch in diesem Fall die Staatsanwaltschaft informiert.

• Das WDR-Fernsehen zeigt die Dokumentation „Richter Gottes - Die geheimen Prozesse der Kirche“ aus der Reihe „die story“ am Mittwoch (27.1.2016) ab 22.10 Uhr. (epd/dpa/tko)

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