Feldhamster-Projekt: Volle Backen auf Göttinger Uni-Acker

Bedrohte Tierart: Der Schutz der Feldhamster steht bei einem Projekt im Göttinger Norden im Mittelpunkt. Foto: dpa

Göttingen. Für den Schutz einer bedrohten Tierart wird im Göttinger Uni-Nordbereich eine ganze Menge getan. Das Feldhamster-Management ist ein erfolgreiches Projekt.

Einmal im Jahr kommt in Göttingen eine Expertenrunde zusammen, um sich mit der aktuellen Entwicklung eines speziellen Areals im Norden der südniedersächsischen Universitätsstadt zu beschäftigen. Der „Runde Tisch“ beschäftigt sich vor allem mit der Wohnraumsituation.

Viel Aufmerksamkeit

Offenbar fühlen sich die Bewohner dieses Gebiets ausgesprochen wohl. Kein Wunder: Kaum eine andere Bevölkerungsgruppe genießt in der Universitätsstadt so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung wie der Feldhamster.

Modellprojekt

Seit 14 Jahren gibt es in Göttingen ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, um dem vom Aussterben bedrohten Feldhamster eine gesicherte Existenz zu ermöglichen. „Fach- und Managementplan zur Sicherung und Förderung des Hamsterbestandes“ heißt die amtlich organisierte Nagetierbetreuung, die sogar in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Universität und Stadt geregelt ist.

Bau wurde verhindert

Das Hamster-Management soll vermeiden, dass es noch einmal zu einem Konflikt wie Ende der 1990-er Jahre kommt. Damals hätten die streng geschützten Tierchen beinahe den Bau des Zentrums für molekulare Biowissenschaften im Nordbereich der Universität verhindert, weil sie ausgerechnet in dem Gebiet ihre Bauten angelegt hatten. Damit sich Hamster und Wissenschaftler bei weiteren Neubauten nicht wieder in die Quere kommen, versuchen die Planer die Hamster auf Flächen zu locken, die außerhalb des Bebauungsplans liegen. Um den Tieren das Gelände möglichst schmackhaft zu machen, wird dort ein attraktiver Mix aus verschiedenen Getreidesorten und Feldfrüchten angebaut, damit sie sich ordentlich die Backen und Vorratskammern vollstopfen können.

Keine Spritzmittel

Die Feldhamster futtern ausschließlich Bio-Nahrung, chemische Düngemittel und Pestizide sind auf dem Gelände tabu. Die Hamster-Bewirtschaftung sei mit einigem Arbeitsaufwand verbunden, weil das Unkraut nicht überhand nehmen dürfe, erläutert der Leiter des Gebäudemanagements der Universität Göttingen, Rainer Bolli.

Inspektionen

Zweimal im Jahr inspizieren Gutachter eines Planungsbüros das sieben Hektar große Gelände im Nordbereich der Uni Göttingen, um sich einen Überblick über „Cricetus cricetus“ (so lautet die lateinische Bezeichnung für die Nagetier-Gattung) zu verschaffen. Da jeder Hamster einen eigenen Bau besitzt, den er gegen Artgenossen verteidigt, lässt sich anhand der Bautätigkeit die Population abschätzen. Bei der jüngsten Inspektion im Herbst habe man 37 Hamsterbauten gezählt, so Bolli. Nach den allgemein geltenden Kriterien für Hamster-Populationen entspreche diese Bevölkerungsdichte einem guten Erhaltungszustand.

Prüfungen bei Projekten

Gebäudemanager Bolli hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass er sich regelmäßig nicht nur mit Uni-Gebäuden, sondern auch mit Hamsterbauten beschäftigen muss. Andere Planern geht es nicht anders: Bei jeder Baumaßnahme muss geprüft werden, ob womöglich im Untergrund possierliche Tierchen mit dicken Backentaschen leben. 

Der Feldhamster ist Tier des Jahres 2016

Der Feldhamster, auch Europäischer Hamster genannt, wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Tier des Jahres 2016 gewählt.

Durch die industrielle Feldbewirtschaftung, die zunehmende Bebauung sowie die Isolation und Zerschneidung der Lebensräume ist der Feldhamster heute in weiten Teilen Deutschlands vom Aussterben bedroht. Mit der Auszeichnung zum Tier des Jahres soll auf die Probleme der Feldhamster aufmerksam gemacht werden.

Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 20 bis 34 Zentimeter, wozu noch ein vier bis sechs Zentimeter langer, beinahe haarloser Schwanz kommt. Das Gewicht ausgewachsener Tiere variiert zwischen 200 und 650 Gramm. Männchen sind meist größer und schwerer als Weibchen. Der Hamster gilt als das bunteste europäische Pelztier.

Als Heimtier wird der Goldhamster gehalten. Er ist deutlich kleiner als der Feldhamster und stammt aus der Grenzregion von Syrien und der Türkei.

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