Kritik an Inspektoren

Teils vernichtendes Urteil über den Schul-TÜV

Schul-TÜV: Er soll nach dem Willen von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt reformiert werden. Rubrikenlistenbild: dpa

Hannover/Göttingen. Das Urteil über den niedersächsischen Schul-TÜV klingt mancherorts vernichtend. „Wenn die Kontrolleure weg sind, werden die Blumentöpfe wieder weggeräumt", lästert ein Lehrer über die externen Prüfer.

„Die Schulen präsentieren doch nur das, was die Inspektoren sehen wollen.“ Hoher bürokratischer Aufwand, der kaum etwas bringe und schon gar nicht die Qualität des Unterrichts verbessere, lautet fast überall die Kritik. In der vom Kultusministerium in Auftrag gegebenen Online-Befragung der Lüneburger Leuphana Universität beklagte die große Mehrheit der 10.000 Teilnehmer eine übermäßige Belastung durch die Schulinspektion.

Jetzt will Ressortchefin Frauke Heiligenstadt (SPD) reagieren und den Schul-TÜV kräftig umkrempeln: weg von der Kontroll-Instanz, hin zum Unterstützungssystem. „Wir nehmen die Kritik sehr ernst und werden die Schulinspektion weiterentwickeln“, sagt die Ministerin im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Wenn ein Instrument, das eigentlich positiv wirken soll, nur als belastend empfunden wird, muss man sich fragen, was man verbessern kann.“ Nach den Herbstferien will das Ministerium mit den Schul- und Lehrerverbänden konkrete Reformvorschläge erarbeiten.

Auch die bei Niedersachsens Lehrern höchst unbeliebten bundesweiten Vergleichsarbeiten in den dritten und achten Klassen will Heiligenstadt in Absprache mit der Kultusministerkonferenz entschlacken - ein weiteres Signal, mit dem die Ministerin rechtzeitig vor der Landtagswahl Anfang 2018 bei den Pädagogen punkten möchte. Eine komplette Abschaffung des Schul-TÜVs, wie sie etwa die Niedersächsische Direktorenvereinigung fordert, lehnt Heiligenstadt aber ab. Bei den eigenverantwortlichen Schulen sei ein externer Blick auf die Bildungsstandards auch künftig unerlässlich.

Ein Aus wäre auch mit dem Koalitionspartner nicht zu machen; die Schulinspektion gilt als „grünes Heiligtum“. Als das Instrument 2005 vom damaligen Kultusminister und heutigen Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) aus der Taufe gehoben wurde, gehörte auch die damalige Bildungsexpertin der Grünen-Fraktion, die heutige Butjadinger Bürgermeisterin Ina Korter, zu den vehementen Verfechtern der regelmäßigen Kontrollen.

Der jetzige Schulfachmann der Grünen, Heiner Scholing, verteidigt die Schulinspektion als notwendige Überprüfung von draußen, kann aber die Kritik durchaus nachvollziehen. „Die Schulinspektion muss sich an die eigene Nase fassen, wenn sie von den Lehrkräften nicht als Unterstützung wahrgenommen wird.“ Diese Beratungsfunktion müsse daher in den Vordergrund gerückt werden.

Von Peter Mlodoch

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