Uni Göttingen: Messinstrument sucht bewohnbare Planeten

Blick über die eigene Galaxie hinaus: Mit dem Messinstrument Carmenes wollen deutsche und spanische Forscher mehr über möglicherweise bewohnbare Planeten herausfinden. Carmenes steht im spanischen Calar-Alto-Observatorium. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Göttingen. Informationen über erdähnliche Planeten - das erhoffen sich Wissenschaftler der Uni Göttingen vom neuen hochauflösenden Spektrografen Carmenes.

Nach fünfjährigen Vorarbeiten wurde das astronomische Messinstrument nun erstmals am Calar-Alto-Observatorium in Südspanien getestet. Bereits zum Jahreswechsel könnten erste wissenschaftliche Daten vorliegen.

Das Calar-Alto-Observatorium besteht aus zwei Systemen, die das sichtbare und infrarote Licht von astronomischen Objekten analysieren und die beide für die Entdeckung von Planeten naher Sterne optimiert wurden. Carmenes wurde gemeinsam von elf deutschen und spanischen Projektpartnern geplant und gebaut, darunter das Institut für Astrophysik der Universität Göttingen.

Die Astrophysiker waren unter anderem für die Anpassung der Spektrografen an die wissenschaftliche Fragestellung sowie für die zwei Kleinbus-großen Vakuumtanks verantwortlich, in denen die Spektrografen von äußeren Einflüssen abgeschirmt werden. Darüber hinaus wurde die Software zur Verarbeitung der Daten in Göttingen erstellt. Carmenes ist auf Planeten spezialisiert, die um so genannte M-Sterne kreisen. Dabei handelt es sich um kleinere und leuchtschwache Sterne, die Planeten mit sternnahen Bahnen angenehme Temperaturen bieten. M-Sterne senden ihr Licht hauptsächlich im nah-infraroten Bereich aus.

Kein Problem für Carmenes: Der Spektrograf ist in diesem Bereich so empfindlich wie derzeit kein anderes astronomisches Instrument. Gleichzeitig misst er dank seiner Technologie und seiner hohen Stabilität die kleinsten Bewegungen von Sternen. Dadurch können die Forscher Rückschlüsse auf die Existenz eines Planeten ziehen.

„Durch die Kombination der Daten beider Spektrografen erhalten wir erheblich mehr Informationen als mit ähnlichen Vorgängerinstrumenten“, erläutert Prof. Dr. Ansgar Reiners vom Institut für Astrophysik der Universität Göttingen. „Das hilft uns, zwischen Flecken auf der Sternenoberfläche und Bahnbewegungen der Sterne aufgrund der Anwesenheit von Planeten zu unterscheiden.“

Das Forscherteam hofft, in damit dutzende Planeten zu entdecken, auf denen Leben möglich sein könnte. Bei dem Projekt kommen neue Kalibrierungsmethoden zum Einsatz, die an der Uni Göttingen entwickelt wurden. (red)

https://carmenes.caha.es

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