Sphärometer unter der Lupe

Wissenschaft historisch: Studenten untersuchten Messgeräte von Gauß

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200 Jahre altes Vermächtnis: Henrike Probst und Greg Talarowski mit einem Sphärometer, mit dem der Krümmungsradius einer Linse gemessen werden konnte.

Göttingen. Historische Arbeitsgeräte verstehen und erklären – dieses Ziel hat das Seminar „Physikalische Grundlagen der historischen Gauß-Instrumente“ an der Uni Göttingen.

In dem Seminar untersuchten die Studenten der Physik nun Messgeräte des berühmten Mathematikers Johann Carl Friedrich Gauß.

Die Ergebnisse sollen ab Herbst in der Datenbank „kuniweb“ der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Es ist wahnsinnig interessant historische Objekte untersuchen zu können“, sagt Henrike Probst, Physikstudentin im ersten Mastersemester. Sie stellte mit ihrem Seminarpartner Greg Talarowski das von Robert-Aglaé Cauchoix entwickelte Sphärometer vor, das der Göttinger Gerätebauer Moritz Meyerstein für von Gauß herstellte. „Erstmals dokumentiert wurde es im Jahr 1810“, erklärt Probst. Mit Hilfe dieses Gerätes konnten Optiker den Krümmungsradius von Linsen bestimmen – und so auch Teleskope herstellen.

Sphärometer seien auch heute noch immer Einsatz, sagen die Studenten. Moderne Modelle funktionieren inzwischen aber automatisch, ganz ohne Drehschraube und das Anklopfen der Linse.

„Die Geräte messen inzwischen auch viel genauer und mit weniger Abweichungen als früher“, sagt Probst. Das bestätigt auch Professor Dr. Susanne Schneider, Leiterin der Abteilung Fachdidaktik Physik. „Gauß hat sie einfach vorgedacht.“

Geräte präzise erklärt

Für die Lehramtsstudenten biete das Seminar zudem Anregungen, Schülern die Arbeit von Wissenschaftlern auf interessante Weise zu erklären, sagt Schneider. Das „kuniweb“ sei ein zusätzlicher Anreiz, am Seminar teilzunehmen: „Die Studenten können helfen, historische Apparate bekannt und verständlich zu machen“, erzählt Schneider.

Bisher haben nur Experten der Uni Zugang zur Erfassungsdatenbank, im Herbst soll sie auch für die Öffentlichkeit freigeschaltet werden. „Die Idee ist, Informationen der ganzen Welt zugänglich zu machen“, sagt Professor Dr. Konrad Samwer, der das Seminar leitet. Nutzer sollen dann die Möglichkeit haben, sich in der Datenbank kurz und präzise über Messmethoden, Aufbau und Anwendung von verschiedensten Apparaturen zu informieren. „Die Studenten werden dann immer als Urheber dort erfasst sein“, sagt Schneider.

Seminar wird fortgeführt

Seit einem Jahr untersuchen Physikstudenten historische Geräte von Gauß. Im kommenden Wintersemester wollen Schneider und Samwer wieder ein Seminar zum Thema anbieten – dann soll es um Weber und Lichtenberg gehen. „Die Datenbank soll mit Hilfe der Studenten immer weiter wachsen“, sagt Schneider.

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