Göttingens Bahnhofsmanager Krusche: „Über 50 moderne Stationen“

Der Macher vor „seiner“ Station: Göttingens Bahnhofsmanager Detlef Krusche geht demnächst in den Ruhestand. Foto: Schlegel

Göttingen. Mehr als 20 Jahre sorgte Detlef Krusche als Göttinger Bahnhofsmanager mit seinen 45 Mitarbeitern an drei Standorten dafür, dass die Stationen in Südniedersachsen - und einige in Nordhessen sowie früher Ostwestfalen - zu Aushängeschildern für den Personenverkehr wurden.

Demnächst geht der Chef der Bahnhöfe in der Region in den Ruhestand.

Was haben Sie für die Bahnhöfe in Ihrem Zuständigkeitsbereich erreichen können?

Detlef Krusche: Eine ganze Menge. Die meisten der 60 Stationen in meinem Zuständigkeitsbereich sind für die Zukunft gerüstet. Wenn das derzeit laufende Projekt „Niedersachsen ist am Zug III“ und Einzelmaßnahmen abgeschlossen sind, haben wir über 50 Stationen modernisiert.

An welchen Stationen in Ihrem Zuständigkeitsbereich ist eine Verbesserung sinnvoll?

Krusche: Verbesserungen soll es ab 2018 in Eichenberg, Bodenfelde und Holzminden geben. In diesen drei Fällen und bei weiteren Stationen geht die Sanierung in den kommenden Jahren los.

2013 erhielt Göttingen den Titel „Bahnhof des Jahres“. Was hat diese Auszeichnung bewirkt?

Krusche: Der Bahnhof hat eine große Aufmerksamkeit bekommen. Die Besucherzahlen im Bahnhof steigen weiterhin leicht. Pro Tag besuchen 50.000 Gäste die Station, knapp 30.000 davon fahren mit dem Zug. Außerdem war der Titel ein Motivationsschub für die Mitarbeiter der Station. Sie haben die Auszeichnung möglich gemacht.

Was kann am Göttinger Bahnhof noch verbessert werden?

Krusche: Wir überlegen, an der Westseite des Bahnhofs, in der Nähe des Eingangs in Richtung Lokhalle, einen weiteren Einkaufsbereich zu schaffen. Außerdem sollen die elektronischen Anzeigen an den Bahnsteigen erweitert werden. Sie sollen mehrere nachfolgende Verbindungen am jeweiligen Gleis anzeigen.

Bis heute gibt es keinen Lebensmittel-Supermarkt oder Discounter direkt am Bahnhof Göttingen. Sehen Sie dafür Chancen?

Krusche: Es gab mal Überlegungen in diese Richtung. Aus Platzgründen mussten wir davon Abstand nehmen. Der Bahnhof ist schlicht zu klein.

Göttingen ist die BahnCard-Hauptstadt Deutschlands. 27 Prozent der Einwohner besitzen die Rabatt-Karte: Wie wirkt sich das auf den Bahnhof aus?

Krusche: Die Bahn hat in Göttingen eine hohe Akzeptanz. Im Vergleich zur Größe der Kommune sind Kundennachfrage und das Angebot an Verbindungen überportional hoch. In der Uni-Stadt halten täglich etwa 183 Fern- und 194 Nahverkehrszüge.

Spürt der Bahnhof Göttingen die Konkurrenz durch die Fernbusse?

Krusche: Ganz im Gegenteil. Beide Verkehrssysteme ergänzen sich. Der Bahnhof bekommt eher zusätzliche Besucher. Der Göttinger Bahnhof ist ein Positiv-Beispiel für die Verknüpfung von Zügen, Nah- und Fernbussen, Autovermietung und Radverkehr mit Parkhaus und Mietstation.

Ein großes Projekt, das Sie bislang begleiten, ist die Sanierung des Bahnhofs Hildesheim. Wie geht es dort weiter?

Krusche: Das Projekt läuft positiv. Voraussichtlich Mitte des Jahres sind alle Mietbereiche wieder belegt. Dann wird der Bahnhof in neuem Glanz erstrahlen.

Zur Person

Detlef Krusche  (64) ist gelernter Verwaltungsbetriebswirt und hat bei der Bundesbahn 1971 als Assistentenanwärter begonnen. Seit 1994 ist er Bahnhofsmanager in Göttingen. Der Uslarer fährt in seiner Freizeit gern Fahrrad, macht Nordic Walking und guckt sich gern alte Städte an - am liebsten mit dem Zug. Er ist verheiratet und hat erwachsene Kinder. (bsc)

Hintergrund: Zuständig für 60 Bahnstationen

Das Bahnhofsmanagement Göttingen ist für 60 Stationen zuständig.

Das Gebiet erstreckt sich von der Stadtgrenze von Kassel im Süden bis zur Stadtgrenze von Hannover im Norden. In Ost-West-Ausdehnung geht das Gebiet vom Harz bis ins Weserbergland und den Solling.

In den vergangenen Jahren wurden in Südniedersachsen und Nordhessen zahlreiche Bahnhöfe modernisiert: Dazu gehören Northeim, Einbeck-Salzderhelden, Lenglern, Friedland, Katlenburg-Lindau, Kreiensen, Freden, Witzenhausen-Nord, Gertenbach und Hann. Münden.

Kritik: Bahnhofsmanager-Posten fällt weg

Mit dem Weggang von Göttingens Bahnhofsmanager Detlef Krusche wird diese Position voraussichtlich nicht neu besetzt. Stattdessen soll der Bahnhofsmanager aus Braunschweig für den Göttinger Bereich mit zuständig sein. Daran gibt es Kritik.

„Die Bahn stellt mit dieser Entscheidung die falschen Weichen“, sagt der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU). Statt auf guten Service, zufriedene Kunden und Mitarbeiter zu setzen, plane das Unternehmen nun, die wichtige Schlüsselposition des Bahnhofsmanagers abzubauen. „Ohne Bahnhofsmanager bleiben die Reisenden, der Standort Göttingen und nicht zuletzt auch der Bahnhof auf der Strecke“, bringt es der Christdemokrat auf den Punkt.

Der Göttinger Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) sagt zu den Plänen, das Göttinger an das Braunschweiger Bahnhofsmanagement anzugliedern: „Das halte ich für keine gute Idee.“ Der Bahnhofsmanager habe sehr zur Verbesserung der Servicequalität an den Bahnhöfen in Südniedersachsen und insbesondere in Göttingen beigetragen. Verbesserungen erforderten deshalb eine gute Ortskenntnis, Kenntnis der lokalen Akteure und wichtigen Strecken im Alltags- und Berufsverkehr, so Wenzel. Der Umweltpolitiker hat sich daher an den niedersächsischen Konzernbevollmächtigten gewandt, um eine Wiederbesetzung der Position zu erreichen, wenn der Amtsinhaber in den Ruhestand geht. (bsc)

Bahnhof Göttingen im HNA-Regiowiki:

http://regiowiki.hna.de/Bahnhof_G%C3%B6ttingen

Von Bernd Schlegel

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